Presse zur Prostitution in der Gesellschaft

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    • 24 Stunden in Verden: 2 bis 3 Uhr im Comtesse Club an der Lindhooper Straße Wo nachts das rote Licht brennt


      24 Stunden in Verden: 2 bis 3 Uhr im Comtesse Club an der Lindhooper Straße Wo nachts das rote Licht brennt

      [lexicon]Prostitution[/lexicon] findet meist hinter verschlossenen Türen statt und wird öffentlich kaum wahrgenommen. Vor dem Comtesse Club in Verden deuten zwei rote Lampen am Eingang darauf hin, dass hier Frauen offen ihre Dienste anbieten.

      2 Uhr im Comtesse Club: Die Parkplätze liegen etwas versteckt hinter dem Etablissement an der Lindhooper Straße, rote kugelförmige Lampen weisen den Weg in den Nachtclub. Dort ist es lauschig warm, an der Bar sitzen vier Frauen in Reizwäsche und seidigen Nachthemden. Ein Kunde hat zwischen ihnen auf einem Barhocker Platz genommen, trinkt Kaffee und spendiert Sekt. Die Prostituierten unterhalten sich mit ihm über die normalsten Themen der Welt: Urlaub, Familie, Job.

      Bordelle haben etwas Anrüchiges - das liegt in der Natur der Sache, schließlich kommen Männer in erster Linie in den Nachtclub, um [lexicon]Sex[/lexicon] für Geld zu bekommen. Die Atmosphäre ist entspannt in Verdens einzigem Bordell. Ein kleiner Weihnachtsbaum leuchtet blau geschmückt zwischen Sofas, die im hinteren Teil des Bar-Raums stehen. Im Sommer steht eine Schiebetür offen, durch die Kunden und Prostituierte aus dem Comtesse Club in den Gartenbereich mit Pool gehen können. "Im Sommer liegen wir mittags häufig auf den Liegen in der Sonne, die Stammkunden kommen dann direkt in den Garten", erzählt Pia. Vor einigen Jahren habe sie sich den Club angeschaut und sei geblieben.

      Regelmäßige Kontrolle

      Auch Mandy arbeitet seit zwei Jahren im Comtesse Club, beziehungsweise dem Baronesse Club in Achim und dem Casanova Club in Walsrode. Die Frauen wechseln zwischen den Clubs, deren vertretungsberechtigter Geschäftsführer Michel Heer ist. Die Frauen zahlen eine Art Miete und arbeiten dann auf eigene Rechnung.

      Es seien immer mindestens vier Mädchen hier, berichtet Mandy. Verschiedene Typen. An diesem Freitag um 2 Uhr sind schlanke und dicke, tätowierte und gepiercte, deutsche, osteuropäische und südamerikanische Frauen im Comtesse Club. "Es soll ja für jeden etwas dabei sein", sagt Mandy.

      Für schummeriges Licht am Tresen sorgen Kerzen, geraucht werden darf überall: an der Theke, auf den Sofas und in den Pools und Betten auf den Zimmern. Die Zimmer sind verschieden groß und unterschiedliche dekoriert, beispielsweise mit griechischen Götterbildern und Säulen, die sonst in Restaurants mit mediterranem Flair locken.

      Gegen 2.30 Uhr kommt ein eher unsicherer, junger Mann in den Nachtclub. Er trinkt nur eine Cola, spricht kurz mit zwei der Frauen aus dem Club und geht dann wieder. Er hat es sich offensichtlich anders überlegt. Ein anderer Mann verliert nicht viel Zeit, hält sich nur wenige Minuten auf einem der Sofas auf und geht dann mit einer der Frauen auf ein Zimmer.

      Mandy trägt weiße Unterwäsche und Absatzschuhe, während sie mit einem Glas Sekt in der Hand eine Zigarette raucht und mit dem Geschäftsmann redet, der seit mindestens 2 Uhr im Comtesse Club sitzt. Er kommt von außerhalb - und viele Kneipen haben nicht mehr auf um kurz vor 3 Uhr. "Die Leute kommen hier auch wegen der Atmosphäre her", meint Mandy. Für eine "schnelle Nummer" seien Preise ab 80 Euro pro halbe Stunde zu viel.

      Der Comtesse Club ist unter der Beobachtung der Polizei, teilt Helge Cassens, Sprecher der Polizei Verden mit. Es gehe oft um Aufenthaltsgenehmigungen für Frauen aus dem Ausland. "Gravierende Probleme haben wir noch nicht festgestellt", sagt er. Ärger rund um [lexicon]Prostitution[/lexicon] gebe es in Verden nicht, beispielsweise existiere kein Straßenstrich, sagt Cassens.

      Im Comtesse Club sitzt der Geschäftsmann um kurz vor drei Uhr auf einem Sofa und unterhält sich weiter mit einer der Prostituierten. Eine andere nimmt einen Gast mit auf eines der Zimmer - dort warten Whirlpool, Dusche und ein zwei Mal zwei Meter großes Bett.


      weser-kurier.de/region/verdene…brennt-_arid,1021632.html
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    • Das Schweigen der AbolitionistInnen

      Das Schweigen der AbolitionistInnen

      Ich verfolge alle mir bekannten deutschsprachigen Medien von Abolitionistinnen seit zwei Jahren und versuche alles zu lesen, was sie veröffentlichen: Websiten, social media Beiträge, twitter, facebook, Publikationen.

      Ich hatte per Mail, persönlich, via Chat und sogar per Telefon mit mindestens 30 Abolitionistinnen Gespräche. Wenn ich Gespräche auf Twitter und auf Facebook (offen mitlesebare) dazurechne kommen noch einmal 30 weitere Personen dazu. Ich habe auch von denen, die mit mir kommuniziert habe, keine einzige Antwort auf eine meiner Fragen bekommen.

      Zu meiner abolitionistischen Lektüre gehören ca. zwanzig Blogs, zehn Websites, die persönlichen Einträge auf facebook von ca. zwanzig Personen und zehn Organisationen. Ich war auf jeder einzelnen mir bekannten Veranstaltung zum Thema in Wien, das waren heuer ungefähr 15 Termine. Ich wäre auf die Kofra-Konferenz gefahren, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich nicht hin darf, weil ich vorher schon von mehreren Personen gehört hatte, dass deren Anmeldung abgelehnt wurde. Leider habe ich die Anmeldung unterlassen, was ein großer Fehler war – die Ablehnung meiner Anmeldung würde ich heute gern herzeigen. Denn die ausgeladenen SexarbeiterInnen stellen sich damit keiner Öffentlichkeit, was ich sehr gut verstehe. Ich bin aber bereit, in persönlichen Gesprächen diese mir übermittelten herzuzeigen und Telefonkontakt herzustellen, den ich übrigens bereits Personen, die mich Lügen schimpften, angeboten habe. Wollten die natürlich nicht. Ich habe von einer Konferenz-Teilnehmerin erfahren, dass auf der Konferenz gesagt wurde, die „happy Sexarbeiterinnen“ wollen sie hier auf der Konferenz nicht haben. Tja, die hätten ihre Thesen ja ganz schön ins Wackeln gebracht. Die vor Ort ausgesprochene Kritik am schwedischen Modell wurde dort nach Aussage dieser Teilnehmerin „nicht ernst genommen“.

      Ich habe in diesen über zwei Jahre gehenden Gespräche von Abolitionistinnen also NIEMALS eine Antwort oder einen Kommentar zu folgenden Problemen bekommen oder eine Aussage darüber, wie sie diese Missstände empfinden. Ich habe zu diesen Themen und Kritikpunken in keinem einzigen Gespräch oder Publikation einen Kommentar gefunden, die meisten Behauptungen wurden durchwegs geleugnet. Ich kann das nicht anders interpretieren, als dass es Abolitionistinnen egal ist. Auf jeden Fall zählen Polizeigewalt und Unrechtsgesetze zu den Themen, die Abolitionistinnen auslassen. Und Hurengewerkschaften sind ihre erklärten und ausdrücklichen Feindbilder.

      Also hier Eure Chance. Was sagt ihr dazu oder wo sind die Links oder Publikationen, die sich hierzu anders äußern, als es eine Lüge zu nennen?

      Die Tatsache, dass es in allen Ländern der Welt Polizeigewalt und/oder Polizeirepressionen gegen SexarbeiterInnen gibt sowie die Tatsache, dass auch die Polizei und auch PolitikerInnen rechtswidrige Aktivitäten setzen oder diese anweisen.
      Dass in Norwegen mehrere hundert SexarbeiterInnen ihre Wohnung (die Wohnung zum Wohnen) verloren haben wegen des schwedischen Modells.
      Dass in Schweden SexarbeiterInnen schon beim Verdacht, SexarbeiterIn zu sein, aus ihren Wohnungen (zum Wohnen!) sofort rausgeworfen werden müssen, da sonst die VermieterInnen der Zuhälterei schuldig sind.
      Dass SexarbeiterInnen in Schweden sagen, sie müssten jetzt mehr Schmiergeld zahlen und zwar ohne Gegenleistung, nur damit niemand die Polizei holt.
      Dass SexarbeiterInnen in Schweden polizeilich überwacht werden (z.B. ihre Telefone), was nach schwedischem Gesetz meiner Einschätzung nach gar nicht legal ist. (Manche Abolitionistinnen finden das übrigens gut und notwendig.)
      Dass die Abolitionistinnen (namentlich beispielsweise Susanne Riegler, Sonja Pleßl, Sabine Constabel, Alice Schwarzer) jede „Legalisierung“ und alle Berufsrechte ausdrücklich ablehnen, weil diese angeblich schädlich für SexarbeiterInnen seien.
      Die Strafen für Verbotszonen (in Wien 500 Euro Mindeststrafe) für Anwesenheit sind meines Erachtens enorm und unverhältnismäßig.
      Als die Erlaubniszonen in Wien in gefährliche Gebiete verlagert wurden (die verantwortliche Frauenberger ist Abolitionistin), wo es in der Folge Gewalttaten gab, die voraussehbar waren und anderswo nicht passieren, las ich dazu keinen Kommentar. Ebensowenig zu den generell absurden Strafhöhen gegen SexarbeiterInnen.
      Die Forderung der Abolitionistinnen nach einer Zwangsuntersuchung, die von WHO, UNO und UNAIDS weil kontraproduktiv abgelehnt wird. Immerhin hat der Verein feministischer Diskurs die diese vehement fordernde Sabine Constabel eingeladen und für ihren Vortrag bezahlt.
      Die Forderung der Abolitionistinnen nach einer Registrierungspflicht in Deutschland, die dort 1948 abgeschafft wurde weil man festgestellt hat, dass es a. ein reines Repressionsinstrument ist und b. das Haupthürde für einen Berufswechsel ist (also das Haupthindernis am Ausstieg aus der Sexarbeit). DIe Registrierungsprlicht wurde im Rahmen der Veranstaltung am 10.11. und noch einmal am 11.10. vom Verein feministischer Diskurs gefordert und für gut gefunden. In Österreich waren die Menschenhandelsopfer aus der Prostitution in der Mehrheit der mir bekannten Fällen registriert.
      Dass in Deutschland mehrere Bundesländer rechtswidrig diese Registrierungspflicht bereits umsetzen?
      Die Diffamierung von HurengewerkschafterInnen und die Hetze und Verleumdung gegen sie (Alice Schwarzer wurde dafür rechtskräfig verurteilt) beispielsweise in der EMMA. – Das ist die einzige Ausnahme, diese hat Maja K. ausdrücklich kritisiert, was mich damals und heute sehr erfreut hat.
      Dass Kondome mitzuführen in Schweden und Österreich als Beweise für Sexarbeit gelten und bei Strafverhängungen eine Rolle spielen. Viele Sexarbeiterinnen in Schweden nehmen keine Kondome mehr, weil sie als Beweis für Sexarbeit gelten.
      Dass soviel ich weiß seit dem Jahr 2001 keine SexarbeiterInnen mehr in Schweden einen Freier angezeigt haben. Das taten sie vor 1999 sehr wohl, das tun sie in vielen Ländern der Welt. Und niemand kann glauben, dass es keine Probleme mehr gibt. (Dafür habe ich in den letzten Jahren keine Belege, dh meine Quellen dafür sind alt, falls wer Daten dazu hat nur heraus damit, auch und besonders falls sich daran etwas geändert hat und ich Unrecht habe).
      Dass SexarbeiterInnen aus Schweden abgeschoben wurden (rechtswidrig) und immer noch abgeschoben werden.
      Dass eine Sexarbeiterin und ein Hurengewerkschafter in Paris vor zwei Wochen Opfer von körperlicher Polizeigewalt und verhaftet wurden, er weil er Kondome und Infomaterial verteilte. Die Anklage beruft sich auf das schwedische Modell, das in Frankreich gar nicht gilt. (Als Verhaftungsgrund steht im Akt: „Er sprach mit einer Sexarbeiterin“).
      Ich habe noch nie von einer Abolitionistin einen Kommentar zum Mord an Petite Jasmine gehört, eine mir namentlich bekannte Abolitionistin vom Verein feministischer Diskurs, die gezählte dreimal bei einer Veranstaltung von ihr gehört haben muss, hat beim dritten Mal immer noch behauptet, davon nie gehört zu haben. Die Schwedin Petite Jasmine wurde vom Vater ihrer Kinder (die sie jahrelang nicht sehen durfte mit der Begründung dass sie Sexarbeiterin ist) wurde in einem Besuchscafe mit dutzenden Messerstichen ermordet. Die Polizei hat soweit ich mich erinnere ihr kleines Kind gerufen übrigens. Das Sorgerecht hatte der wegen körperlicher Gewalt gegen Petite Jasmine verurteilte Vater…
      Abolitionistinnen leugneten in meiner Gegenwart mehrfach, dass Sexarbeiterinnen das Sorgerecht in Österreich und Schweden automatisch entzogen wird.
      Es gibt dutzende Belege dafür (z.B. aus schwedischen Polizeiberichten) dass die Anzahl der SexarbeiterInnen in Schweden nicht gesunken ist – außer am Straßenstrich, wo die Polizei Razzien macht.
      Mindestens 50% der SchwedInnen fordern, dass auch SexarbeiterInnen bestraft werden, die „Schaffung eines neuen Bewusstseins“ ist also ordentlich schief gegangen. Genau das haben Hurengewerkschaften übrigens schon 1998 prophezeit.
      Es gibt keine Kronzeugenregelung für Freier, die Menschenhandel anzeigen. Seit dem Jahr 2000 gab es keine Anzeigen mehr von Freiern aus diesem Grund. Es gibt für Österreich und Deutschland keine konkreten Zahlen, aber eine deutsche Statistik sagt, dass zwei Drittel der Anzeigen von „Verwandten der Opfer und Freiern“ kommen. Ich weiß auch von Beratungseinrichtungen dass das vorkommt, nicht in Horden, aber es kommt vor. In Schweden wurde diese Kronzeugenregelung gefordert, aber nicht umgesetzt. Bei Mord gibt es sie.
      In Deutschland ist die Anzahl der Fälle von Menschenhandel seit 2002 gesunken. Abolitionistinnen reden davon, diese seien „explodiert“, Quelle für die Explosion gibt es keine.
      Welche wissenschaftliche Untersuchung bestätigt den Erfolg des schwedischen Modells?
      Was wäre, wenn die Ziele des schwedischen Modells mit diesem nicht erreicht würden? Auch wenn ihr das nicht glaubt, was wäre WENN es so wäre? Wärt ihr dann trotzdem dafür?
      Was verstehen die Appell-BegründerInnen unter „Sexkauf“? (Darauf habe ich mehrfach eine “Antwort” bekommen: Das wissen wir noch nicht).
      Kein Verbot dieser Welt konnte bisher bewirken, dass es Sexarbeit verschwindet.
      Was sagt ihr den Sexarbeiterinnen, die sich vom Abolitionismus, vom nicht mit ihnen reden und ihre Aussagen leugnen, abwerten oder als bezahlte Lügen verwerfend gedemütigt und entmündigt fühlen?
      Die Hurengewerkschaften fordern seit Jahrzehnten: Nur wer MIT uns redet darf MITREDEN. Was sagt ihr dazu?
      Auf den Menschenhandelskonferenzen in Wien waren alle Fachleute gegen das schwedische Modell. Lauter Idioten?

      Man möge mir etwas präsentieren, egal ob es ein mündlicher Kommentar ist, ein Kommentar in einem Onlinemedium (Zeitschrift, Publikation), zu einem einzigen dieser Punkte, die dazu eine Stellungnahme ist, die NICHT leugnend oder verharmlosend ist. Eine einzige. Ich fand in zwei Jahren keine. Pauschale Ablehnungen von Gewalt zählen nicht.

      Wenn Abolitionistinnen sich mit den Polizeirepressionen befassten, müssen sie wohl zugeben, dass mit der Polizei keine „Prostituiertenrettung“ möglich ist. Das liegt daran, dass die Polizei durch die jahrhundertelange Gesetzgebung diese nur als kriminelle Personen wahrnimmt und die Kontrollfunktion auszuüben hat. Sehr vereinfacht erklärt: Wen ich mit der Knarre kontrolliere, den sehe ich nicht als Opfer.

      Wenn Abolitionistinnen sich der Realität des schwedischen Modells stellen würden und anerkennen würden, dass es die Anzahl der SexarbeiterInnen nicht senkt und auch den Menschenhandel nicht beeinflusst, wenn sie zugeben würde, dass es sehr wohl auch die SexarbeiterInnen selbst auf vielfältige Weise kriminalisiert, dann müssten sie ihre Forderungen modifizieren. Oder?

      Ich bin ehrlich extrem interessiert an der Widerlegung meiner Behauptungen. Vielleicht täusche ich mich ja in meiner Position. Ihr könnt das gerne hier kommentieren, mir eine Email schreiben (helga@wortflechte.com) einen anonymen Kommentar via die Kommentarfunktion hier schicken hier wortflechte.com/web/impressum oder mir via facebook schreiben. Natürlich ist auch er Postweg möglich. Behauptungen zu Studien ohne AutorIn und Titel könnt Ihr Euch sparen. Beleidigungen von SexarbeiterInnen werden von mir gnadenlos gelöscht.

      Euch ausnahmslos ein wundervolles Neues Jahr 2015 – Möge das schwedische Modell dort landen wo es hingehört: in die Hölle. Möge es in die Geschichte eingehen als einer der größten Fehler des Feminismus. Damit wir wieder Zeit finden, uns den Problemen von Mensch und Erde zu widmen. Happy New Year!



      wortflechte.com/web/abolitionistinnen/
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    • „Ich will nicht nur kuscheln“

      „Ich will nicht nur kuscheln“

      Klaus Birnstiel tritt für das Recht behinderter Menschen auf gelebte Sexualität ein. Auch mit provokanten Aktionen. Für die ZDF-Sendung „Menschen – das Magazin“ ging der Rollstuhlfahrer im Frankfurter Rotlichtviertel ins Bordell.
      Straßenansicht eines Rotlichviertels mit roten Laternen an Fassaden
      Klaus Birnstiel im E-Rolli vor dem Eingang eines Bordells

      Zehntausende suchen täglich in den Bordellen des Frankfurter Bahnhofsviertels nach schnellem Glück: Große und kleine, arme und reiche, dicke und dünne, hell- und dunkelhäutige Männer sind dort unterwegs. Eine Gruppe macht sich jedoch rar: Menschen mit Körperbehinderung. Dabei könnte käuflicher [lexicon]Sex[/lexicon] gerade für Männer und Frauen, die körperlich weniger den gängigen Schönheitsnormen entsprechen, ein Weg zur Erfüllung sexueller Sehnsüchte sein. Aber sind Bordelle und [lexicon]Sex[/lexicon] Worker überhaupt auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingestellt? Dr. Klaus Birnstiel, der wegen einer unspezifischen Muskeldystrophie einen Elektrorollstuhl nutzt, geht dieser Frage im Frankfurter Rotlichtviertel nach. „Mich stört, dass das Thema Behinderung und Sexualität ein [lexicon]Tabu[/lexicon] ist“, sagt der Literaturdozent, der an der Universität Basel unterrichtet. „Ich will, dass Behinderte als Wesen mit Sexualtrieb wahrgenommen werden – und diesen auch ausleben können.“ Dafür tritt Birnstiel in Vorträgen und Medienberichten ein. Zusammen mit dem Fotografen Ulrich Mattner besuchte er für die ZDF-Sendung „Menschen – das Magazin“ zwei Bordelle in Frankfurt.

      Barrierefreiheit ist die Ausnahme

      Laufhäuser – frei zugängliche Bordelle, in denen die Besucher sich aufhalten können, solange sie möchten – sind, das sagt schon der Name, nicht für Gehbehinderte konzipiert. In den 22 meist fünfstöckigen Laufhäusern des Bahnhofsviertels führt der Weg zu den Frauen immer durchs Treppenhaus. Zwar haben manche Bordelle Aufzüge, diese sind jedoch meist dem Personal vorbehalten. Eine Ausnahme bildet das Haus „Taunusstraße 26“, das auf seiner Webseite als einziges Etablissement im Bahnhofsviertel aktiv um Kunden mit Behinderung wirbt: „Auch Gäste mit Gehbehinderung kommen bei uns voll auf ihre Kosten: vor der Tür ein Behindertenparkplatz, im Haus ein Aufzug. Wer bei Ein- und Ausstieg Hilfe benötigt – Anruf genügt.“ Klaus Birnstiel wählt das Haus als erste Anlaufstelle. Ein bisschen Aufregung ist dabei: Es ist der erste Bordellbesuch seines Lebens.

      Durch den roten Flur mit vielen Bildern leicht bekleideter Schönheiten geht es zum Fahrstuhl. Inhaber Richard Böhlig, ein drahtiger Mann mit blau getönten Brillengläsern, berichtet, dass er mehrmals im Monat gehbehinderte Gäste habe. Klaus Birnstiel empfiehlt er, es bei Gabriella zu versuchen. Für die hübsche Portugiesin ist der Besuch eines Kunden mit Behinderung ebenfalls eine Premiere. Schnell entsteht zwischen beiden eine intime Atmosphäre. Birnstiel wirkt offen, interessiert und neugierig. „Ich bin es gewohnt, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein“, sagt er. „Warum nicht auch beim Sex?“

      Gabriella wird später sagen: „Für mich war es etwas Besonderes. Ich wollte, dass es schön für ihn ist; dass in seinem Kopf etwas Gutes bleibt.“ Etwa 30 Minuten dauern die Zärtlichkeiten der beiden. Dann verabschiedet man sich freundlich. Fünfzig Euro hat Gabriella eingangs für den Liebesdienst verlangt – der übliche Preis für eine halbe Stunde [lexicon]Sex[/lexicon] im Bahnhofsviertel.

      Nächste Station ist das „Rote Haus“, eines der größten Bordelle im Kiez. Einen barrierefreien Zugang gibt es hier nicht. Aber mithilfe von Harry, dem stämmigen Wirtschafter des Hauses, und zwei improvisierten Schienen überwindet Klaus Birnstiel die Stufen zum Eingang – sehr vorsichtig, damit sich die Versorgungsschläuche wegen der Schräglage nicht verheddern. Danach geht es mit dem Aufzug in den ersten Stock zu Monique. Die schlanke, braun gebrannte Prostituierte zündet zwei Kerzen an. Mit vielen Tattoos und straff hochgesteckten Haaren ist sie eher der strenge Typ.

      Kein Kuschelstatus für Behinderte

      Monique küsst Klaus Birnstiel auf den Mund, flirtet mit ihm, zwickt ihn zärtlich in die Ohrläppchen. Dann geht die Tür für die Presse zu. „Ich war happy, weil ich ihn happy gemacht habe“, sagt Monique später. [lexicon]Sex[/lexicon] mit Menschen mit Behinderung ist für sie nichts Besonderes. „Ich gehe da ohne Emotionen rein. Wir sind wie Krankenschwestern. Wenn wir das Leid unserer Freier mit nach Hause nehmen, drehen wir durch. Du kannst auch nicht Kriegsreporter werden, wenn du kein Blut sehen kannst.“ Nicht jede Prostituierte bietet entsprechende Dienstleistungen an. „Am besten ruft man vorher an und lässt sich vom Wirtschafter beraten“, empfiehlt Monique. „Er weiß, wer auf die Wünsche von Kunden mit Behinderung eingehen kann.“

      Klaus Birnstiel hat die Bordelltour genossen. „Es gibt eigentlich nichts, worüber ich mich beschweren könnte“, schildert er seine Eindrücke. „Ich habe mich willkommen gefühlt. Die Frauen fand ich bodenständig und cool.“ Einen Sonderstatus als Schwerbehinderter mit „besonderem Kuschelfaktor“ hat er nicht bekommen – und das ist gut so, findet Birnstiel. „Ich brauche keinen Salut und kein Tätärätä, kein ‚Oh, wie toll, dass du da bist‘. Ich will nicht nur kuscheln, ich will auch einfach mal Sex.“


      aktion-mensch.de/magazin/gesellschaft/rotlicht.html
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • „Ich kriege das allein hin, Alter“

      Frankfurter Rapperin Schwesta Ewa
      „Ich kriege das allein hin, Alter“

      Schwesta Ewa, einst Prostituierte, jetzt Rapperin – in ihren Songs ist sie ganz authentisch. Abzocke, Härte, Coolness: Was sie vertont, hat sie erlebt.

      Drei junge Frauen begleiten Schwesta Ewa, als sie im Büro der PR-Agentur in Berlin-Mitte ankommt. Die Frankfurter Rapperin grüßt freundlich und legt sich direkt auf das schwarze Ledersofa in der Ecke des Raums. Die letzte Nacht habe sie kaum geschlafen. Deshalb wurden alle weiteren Interviews vorerst abgesagt. Dieses Gespräch will sie noch führen, schließlich promotet Schwesta Ewa ihr Debütalbum „Kurwa“, das sich größtenteils um ihre Vergangenheit als Prostituierte dreht. Ihre stillen Begleiterinnen schickt Ewa an den Konferenztisch. Sie will auf der Couch sprechen.

      taz: Schwesta Ewa, auf Ihrem neuen Album „Kurwa“ hat man den Eindruck, dass Sie den Freier sozusagen als Opfer sehen und nicht die Prostituierte. Ist das so?

      Schwesta Ewa: Natürlich, das ist so. So war es zumindest bei mir zehn Jahre lang im Milieu. Der Freier, der reinkam, wurde ja abgezogen, nicht ich. Dem habe ich an der Tür alles angedreht, und wenn er dann drin war, habe ich zugesehen, dass er viel mehr springen lässt oder ansonsten rausgeschmissen wird. Ich persönlich finde, der Freier ist die wirkliche [lexicon]Nutte[/lexicon].

      Wie zieht man einen Freier denn ab?

      An der Tür versprichst du einfach alles. Und wenn er drin ist, sagst du: Ja, nee, Schatzi, da hast du ein bisschen was falsch verstanden. Umdrehen kostet extra, andere Position kostet extra. Viele werden dann sauer und müssen gehen. Wenn sie aber bleiben, dann versucht man sie noch mehr abzuziehen. Am besten bringt man sie am Ende dazu, dass es nur beim Handverkehr bleibt.

      In dem Song „Spiegelreflex“ geht es um diverse Schicksale wie dem einer 16-Jährigen, die im Rotlichtmilieu landet, weil ihre Eltern sie schlugen. Wie viel von diesen Geschichten ist eigentlich echt?

      Das ist hundert Prozent so passiert. Das habe ich alles erlebt, erfahren oder von anderen mitbekommen. Ich wollte eigentlich noch mehr Storys auspacken, aber da meinten meine Leute dann, das wäre zu viel, und einige Sachen waren ihnen auch zu hart. Die haben gesagt, das muss nicht alles unbedingt an die Öffentlichkeit.

      Dennoch geht es teilweise hart zur Sache, wie im Song „Boomerang“. Da geht es um [lexicon]Vergewaltigung[/lexicon]. Sind Sie nach solchen Erfahrungen noch imstande, einem Mann zu vertrauen?

      Nein, ich kann gar keinem Mann vertrauen. Das ist mein Puffschaden, der ist geblieben. Ich habe früher immer gesehen, wie Kunden den Kindersitz in den Kofferraum gepackt haben oder dass sie Eherringe trugen. Für mich sind Männer seitdem alle gleich. Ich weiß, dass nicht alle so sind, aber ich denke halt so und kann das auch nicht ändern. Es regt mich schon auf, wenn mir ein Mann die Tür aufhält. Ich merke so richtig, wie ich wütend werde und mir denke: Ich kriege das schon allein hin, Alter, ich bin nicht auf deine Hilfe angewiesen. Am liebsten würde ich ihm in dem Moment in die Eier treten. Natürlich denke ich später: Sag mal, spinnst du, ein älterer Herr wollte nur nett sein zu dir, und du tickst aus?

      Wie sind Sie eigentlich zum Rap gekommen?

      Ich war früher viel mit Xatar …

      … Ihrem Labelchef …

      … und den Jungs unterwegs, und die haben 24 Stunden am Tag gerappt. Ab und zu haben die mich mit ihren Raps gedisst und ich stand da halt immer als einziges Opfer und habe mich geärgert. Irgendwann habe ich dann selber mit Haus-auf-Maus-Reimen angefangen, sie zurückzubeleidigen, das hat sich so entwickelt. Plötzlich meinte dann Xatar zu mir: „Okay, hör mal zu, Schwester. Du gehst auf die 30 zu, lass es doch mal endlich mit dem [lexicon]Strich[/lexicon] sein. Mach doch mal Musik.“ Ich habe nur gesagt: Nee, das ist überhaupt nicht meine Welt. Ich mache hier meine Kohle, stecke viel zu tief drin im Milieu und will auch gar nicht raus.

      Sie sind aber aus dem Milieu rausgekommen. Was hat sie dazu bewegt?

      Xatar hat mir angeboten, nur einen einzigen Track zu machen und ein Video dazu. Er meinte, wenn das was wird, dann machst du weiter. Und wenn nicht, bekommst du vielleicht ein paar neue Kunden dazu. Und ich so: Ja, okay. Das mit den Kunden hört sich gut an, lass mal machen. Meine Freunde meinten, 5.000 Klicks auf YouTube wären schon schwer zu bekommen. Aber das Video kam Weihnachten 2011 raus und hatte schon am nächsten Tag 300.000 Klicks. Und dann gab es schon direkt Anfragen für Interviews und so weiter. An dem Tag habe ich aufgehört mit meinem Job.

      Sie sind in Polen geboren und in Kiel aufgewachsen. Wie sah Ihre Kindheit in Kiel aus?

      Ich kann mich an eine Situation erinnern, als meine drei Cousins aus Polen kamen, die konnten kein Deutsch. Ich wollte den Jungs so einen Bauernhof in Kiel zeigen, der war voll geil, da gab es Hasen, und man konnte Baumhäuser bauen. Kaum sind wir dort angekommen, haben sich dreißig Kinder vor uns gestellt und angefangen zu rufen: „Ausländer raus! Ausländer raus!“ Damals habe ich mit meiner Mutter in einem Frauenhaus im Stadtteil Russee gewohnt, das war nicht so cool. Wir sind aber später in so eine Assi-Siedlung gezogen, wo es fast nur Ausländer gab, da war wieder alles okay, da habe ich mich wohlgefühlt.

      Hatten Sie dort viele Freunde?

      Ja, meine ganze Kindheit habe ich mit Jungs verbracht, ich habe sechs Jahre Fußball gespielt. Ich war nur unterwegs, habe geklaut und Leute geschlagen, wenn ich ihre Zigaretten wollte. Wir haben ja nie Kohle gehabt. Und ich wollte halt auch mal eine Adidas-Jacke wie die anderen Kinder und nicht für immer mit meiner Mutter Räuberleiter machen und in den Altkleidercontainer steigen, um da Klamotten rauszufischen. Ich hatte kein Bock mehr, mit meiner Mutter in den Aldi zu gehen, um dort Brot, Wurst und Käse zu klauen und dann auch noch erwischt zu werden.

      Aber Sie haben trotzdem geklaut, nur ohne Ihre Mutter?

      Ja, aber ich habe auch gearbeitet. Mit 14 Jahren habe ich im Gericht geputzt. Mit 15 habe ich Prospekte verteilt, mit 16 war ich schon Bedienung in der Kneipe unterm [lexicon]Puff[/lexicon] am Kieler Hafen. Da habe ich bis zwei, drei Uhr nachts gearbeitet, um sieben Uhr musste ich wieder zur Schule.

      Wie war das Verhältnis zu Ihren Eltern in dieser Zeit?

      Meine Mutter hatte mir nichts zu sagen. Sie hat mich ja auch alles machen lassen. Ich bin nach der Schule nie nach Hause gekommen, war jeden Tag in der Stadt mit meinen ganzen Jungs. Dort haben wir Kameras geklaut und sie dann weiterverkauft. Jeden Tag bin ich mit zwei, drei Tüten gekommen. Meine Mutter wusste ganz genau, was los war, ich meine, sie hat mir beigebracht, so zu sein. Ich liebe meine Mutter über alles. Aber sie war halt ’ne crazy Frau.

      Was meinen Sie mit crazy?

      Ich habe jeden Tag Schläge von meiner Mutter bekommen, jeden Tag. Auch so unnötig. Einmal hat sie mir die Haare gewaschen und sie danach mit dem Föhn getrocknet. Als sie dann mal die Blumen mit Wasser bespritzt hat und kurz aus dem Haus war, habe ich den Föhn genommen und die Blumen getrocknet, weil ich Mama helfen wollte. Als sie wiederkam, hat sie mir in die Fresse gehauen, anstatt mit zu erklären, dass man das nicht macht, weil die Blätter braun werden.

      Hatten Sie je Kontakt zu Ihrem Vater?

      Nein, also ich habe ihn noch nie gesehen. Er ist in den Knast gekommen wegen Mord, da war meine Mutter sechs Monate schwanger mit mir. Ich habe ihm einmal einen Brief geschrieben und er hat auch geantwortet. Da stand: „Wie, du bist nicht verheiratet und hast keine Kinder?“ Und ich dachte mir nur: Du hast ja gar keine Ahnung. Das ist dein einziges Problem, dass ich nicht verheiratet bin? Wenn du wüsstest, was aus mir geworden ist. Mein Bruder saß auch fünf Jahre im Knast in Polen. Er hat mir erzählt, dass mein Vater bald rauskommt, wahrscheinlich ist er inzwischen schon draußen. Aber ich kann mir vorstellen, dass er kein Interesse an mir hat.

      Der Song „Du liebst mich nicht“ handelt davon, dass es schwierig ist, Liebesbeziehungen zu führen, wenn man eine Vergangenheit im Milieu hat. Gibt es nicht auch Männer, die die Ehrlichkeit schätzen, dass Sie hinter dem stehen, was Sie gemacht haben?

      Ja, klar gibt es die. Aber ein großer Teil kommt nicht damit klar. Also ganz ehrlich, ich bin ein sehr eifersüchtiger Mensch, und wenn ich ein Typ wäre und würde mich in ein [lexicon]Nutte[/lexicon] verlieben, dann könnte ich nicht mit ihr zusammenbleiben, wenn sie den Beruf weiterhin ausübt. Ich könnte es nicht. Meinem Freund war das jahrelang egal, was ich nie verstanden habe. Wie kann es dir egal sein, dass ich eben im [lexicon]Puff[/lexicon] zehn Schwänze gelutscht habe und jetzt mit dir kuschle und einen Film gucke, als wäre das normal? Wie kommst du damit psychisch klar?

      Was denken Sie, warum es Ihrem Freund egal war?

      Er arbeitet halt seit über zwanzig Jahren im Milieu, für ihn war das ein ganz normaler Beruf wie Friseurin oder so. Wenn er jetzt aber zu mir kommen und sagen würde: „Ich hab da eine alte Frau am Start, die gibt mir voll viel Geld, wir können damit schön Urlaub machen.“ Ich würde nur sagen: Verpiss dich! Steigst mit einer alten Frau ins Bett? Was, Urlaub?

      In der Politik wird immer mal wieder diskutiert, ob man [lexicon]Prostitution[/lexicon] in Deutschland verbieten sollte. Wie sinnvoll fänden Sie ein solches Verbot?

      Also erst mal glaube ich, die würden das niemals machen, weil die zig Millionen Steuern im Jahr verlieren würden, die über das Rotlichtmilieu reinkommen. Aber auch wenn, ich persönlich hätte als Frau Angst, wenn es keine Prostituierten gäbe. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass deswegen die Anzahl von Vergewaltigungen steigen würde. Die ganzen Psychos, die zu Nutten gehen und sagen: „Kannst du bitte meine Tochter spielen?“, bezahlen einfach dafür und kriegen, was sie wollen. Vielleicht würden sie ansonsten wirklich zu einem kleinen Mädchen gehen oder zu der eigenen Tochter. Schon allein deswegen wäre ein Verbot kompletter Schwachsinn.

      Oft fällt das Argument, dass viele Prostituierte gezwungen werden, auf den [lexicon]Strich[/lexicon] zu gehen. Ist da was dran?

      Natürlich gibt es das auch. Ich habe schon Mädels gesehen, die hochschwanger auf dem [lexicon]Strich[/lexicon] standen, die das bestimmt nicht freiwillig machen. Und die wurden dauernd mitgenommen, rein, raus, gefickt. Und ich stand da wie ein Opfer unter meinem Regenschirm und habe immer noch auf Kunden gewartet. Dann gibt es noch die ganzen Mädels aus Rumänien und Bulgarien, die teilweise auch gezwungen werden. Aber ansonsten, die ganzen Mädels, die ich persönlich kenne, die machen den Job gerne und wollen da nicht raus. Die haben Kinder zu Hause und machen gutes Geld. Es gibt Mädels, die Spaß daran haben, oder Mädels, die kurz mal Geld sparen wollen.

      Was halten Ihre ehemaligen Kolleginnen eigentlich davon, dass Sie jetzt Rapperin sind und Musik machen?

      Die feiern mich und verarschen mich, so auf die Art: Mensch, Ewa, du bist ein Star geworden. Ständig rufen auch Mädels an und sagen, da waren schon wieder irgendwelche Freierkinder, so Kanacken, im [lexicon]Puff[/lexicon] und haben nach dir gefragt. Viele Nutten sind charaktermäßig auch stabiler als andere Frauen und warnen mich davor, mich zu sehr auf die Musik zu verlassen. Das Blatt kann sich vom einen auf den anderen Tag wenden. Aber ich bin so realistisch, dass die mir das gar nicht sagen müssten, ich weiß das.

      Es gab schon mal eine rappende „Schwester“ aus Frankfurt, nämlich Schwester S, also Sabrina Setlur. Auf Ihrem Album gibt es ein paar Anspielungen auf sie, mit Zeilen wie „Schwester, Schwester“ oder „Du liebst mich nicht“. Haben Sie Sabrina Setlur eigentlich mal kennengelernt?

      Also für mich war sie damals die beste Rapperin Deutschlands. Schade, dass die Frau ihre Nase zu weit oben hat und total eingebildet geworden ist. Wir haben uns einmal zufällig im Fitnessstudio gesehen, und ich habe mich voll gefreut. Ich so zu meiner Freundin: Heftig! Da ist Sabrina Setlur. Und die so: Lass uns mal ganz vorsichtig an sie herantasten. – Aber Sabrina Setlur hat uns nur so einen arroganten Blick zugeworfen auf die Art: Was wollt ihr denn? Und dann meinte ich nur so, komm wir gehen, bevor ich der eine gebe, diesem Stück Scheiße. Deshalb mag ich auch nicht mehr in hohen Tönen von ihr reden.

      Sie hatten letztes Jahr auf dem HipHop-Festival „Splash“ Ihren bisher größten Auftritt vor Zehntausenden von Leuten. Stehen Sie gern auf der Bühne?


      Nein! Ich habe total Schiss davor. Mein Kollege Ssio hat mich mitgenommen, er war eingeladen, nicht ich. Ich stand hinten mit weichen Knien und habe gezittert. Auf der Bühne kam dann irgendwann dieser Moment, wenn die Leute alle mitfeiern, und du denkst: Okay, das ist geil. Aber sobald der Beat ausgeht, will ich am liebsten „Dankeschön, tschüss!“ sagen und einfach abhauen.

      Bei einem anderen Auftritt in Lörrach haben Sie einem jungen Mann im Publikum mit dem Mikrofon gegen den Kopf gehauen. Was ist da passiert?

      Ich habe ja gelernt, dass man lustig sein muss, wenn man auf die Bühne kommt. Das machen Rapper so. Und ich habe halt am Anfang des Auftritts gesagt: Wenn irgendjemand eine Flasche schmeißen will, dann soll er es jetzt tun, damit es fair bleibt. Einfach nur so. Dieser Typ hat halt seine Flasche geschüttelt und mich mit Bier vollgespritzt. Da standen 2.000 Leute, und ich war innerlich schon sauer, aber habe einfach weitergemacht. Man muss ja nicht immer gleich austicken. Aber dann hat er noch mal gespritzt, und ich bin direkt auf ihn zu und habe ihm eine Schelle gegeben. Er meinte noch so: Das ist nur Spaß. Aber da war es schon zu spät.

      Worüber würden Sie rappen, wenn Sie nicht diese Vergangenheit im Milieu hätten?

      Ich habe auch viele Sachen erlebt, bevor ich ins Milieu kam. Aber ob ich wirklich so viele Storys hätte, weiß ich nicht. Und ich finde, im Rap muss alles stimmen, was man sagt, das muss echt sein. Ich wäre wahrscheinlich nicht Rapperin geworden. Dieses Milieu hat mir zigtausend verschiedene Geschichten und Erlebnisse gegeben. Ich denke, deshalb kann ich Dinge auch so gut beschreiben. Und ich habe auch noch so viel zu erzählen, am liebsten würde ich ein Album mit 40 Liedern machen. Egal, ob es scheiße ist oder nicht, aber die Leute sollen zuhören.


      taz.de/!152149/
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • "Die Freier sind auch nackt"

      Ex-Prostituierte da Costa Jose
      "Die Freier sind auch nackt"
      Neue Bordelle entfachen die Debatte über käuflichen [lexicon]Sex[/lexicon] neu. [lexicon]Prostitution[/lexicon] sei Rebellion gegens Patriarchat, sagt die Ex-Prostituierte da Costa Jose. Und kritisiert Alice Schwarzer.

      taz: Seit in verschiedenen Städten neue Bordelle gebaut werden, regt sich Widerstand. Sie waren selbst Prostituierte, wie sehen Sie die Debatte?


      Juliana da Costa José: Ich sehe das als Ausdruck von Doppelmoral. In Berlin etwa gibt es einen furchtbaren Drogenstrich, das hat offenbar keinen gekümmert. Und nun kommt dorthin ein Bordell, wo die Arbeitsbedingungen zumindest kontrollierbar sind - und da regt man sich auf.

      Bordelle sind prinzipiell ok?

      Das würde ich so nicht sagen. In Berlin gibt es in vielen Bordellen nicht genug Arbeitsschutz. Ein hochgelobtes Etablissement in Charlottenburg etwa macht zur Bedingung, dass Prostituierte ohne [lexicon]Kondom[/lexicon] [lexicon]Oralverkehr[/lexicon] anbieten. So etwas darf in Berlin sogar offen beworben werden. Das müßten Richtlinien schlicht verbieten. Bayern tut das, Berlin nicht.

      Wenn Alice Schwarzer hier per Interviews den Finger in die Wunde legt, hat sie also Recht?

      Sie verallgemeinert, und das ist unangebracht. Bei ihr gibt es keine Bordelle, die gut geführt werden und andere, die verbessert werden müssen. Prostituierte sind für sie immer Opfer. So ist die Wirklichkeit nicht.

      Wie sieht die nach Ihrer Erfahrung aus?

      Es gibt Prostituierte, die Opfer sind. Psychisch Kranke, Drogenkranke. Es gibt schreckliche Schicksale von Zwangsprostituierten. Aber es gibt auch noch viele andere Gruppen. Frauen, die aus materiellen Interessen diesen Beruf ergreifen, Studentinnen mit Nebenjob. Oder Frauen, die es einfach hochinteressant finden, verschiedene Sexualpraktiken auszuprobieren.

      Warum haben Sie als Prostituierte gearbeitet?

      Ich war neugierig, wie die Arbeit hinter den Kulissen wirklich ist und wollte natürlich auch Geld verdienen. Ich habe sehr genau geprüft, wo ich selbstbestimmt arbeiten kann. Dabei habe ich positive Erfahrungen gemacht, aber auch negative.

      Welche waren negativ?

      Dass etwa Männer oder Frauen Praktiken erzwingen wollten, die ich ablehnte. Oder dass sie [lexicon]Sex[/lexicon] ohne Schutz haben wollten. Aber auch aggressive Kolleginnen, die nicht teamfähig waren. Wenn das ganze Selbstwertgefühl davon abhängt, dass man viele Gäste hat, kommt Neid auf, sobald eine andere mehr Glück hatte. Ich kenne auch ein Bordell, in dem eine regelrechter Busenkrieg ausgebrochen war: Jede wollte den größten haben. Man arbeitete nur noch für die OP, damit man danach noch besser arbeiten kann. Das war schon bizarr.

      Nach einer Hamburger Studie sind 80 Prozent der Prostituierten traumatisiert durch Gewalterlebnisse oder Mißbrauch in der Kindheit. Das sind dann doch sehr viele Opfer. Hat Schwarzer dann nicht doch recht?

      In einem Sperrbezirk wie in Hamburg herrscht eine ghettoartige Situation, eine Parallelgesellschaft. Da sammeln sich bevorzugt Menschen, die im "normalen" Leben gescheitert sind und bilden eine Subkultur. Eine landesweite Studie muss her, die auch teurere Callgirls oder Hausfrauen einbezieht. Die käme vielleicht zu anderen Ergebnissen.

      "Glückliche Huren gibt es nicht", zitiert "Spiegel Online" diese Woche eine schwedische Betreuerin von drogenkranken Prostituierten. Die Schweden sind mit ihrem einzigartigen Verbot, [lexicon]Sex[/lexicon] zu kaufen, sehr zufrieden: Es gebe viel weniger Menschenhandel.

      [lexicon]Prostitution[/lexicon] und Menschenhandel sind nicht verschwunden. Sie haben sich nur in die Nachbarstaaten verlagert. Übrig geblieben ist der "Bodensatz" an Huren und Gästen, die es sich nicht leisten können abzuwandern. Jetzt sind Huren als Anbieterinnen "illegaler Ware" erpressbar geworden und werden von den Kunden schlechter behandelt denn je. Und ihr gesellschaftlicher Status ist nun der einer Kriminellen, die mit illegalen Gut handelt. Das ist kein "Opferschutz", sondern Rück-Kriminalisierung durch die Hintertür. Bestrafen muss man Kunden von Zwangsprostituierten, nicht die von selbstbestimmten Prostituierten.

      Ein Freier umgeht den mühseligen Abgleich von Bedürfnissen mit einer Partnerin. Stattdessen kauft er, dass eine Frau ihn bedient. Ist das nicht schon schräg?

      Das ist so nicht pauschalisierbar. Männer werden nicht zu Monstern, wenn sie ins Bordell gehen. In so einer intimen Situation sind beide Partner nackt - im wahrsten [lexicon]Sinne[/lexicon] des Wortes. Die Prostituierte ist vielleicht sehr attraktiv, und dem Mann wird bewußt: ich bin blass und habe einen Hängebauch. Er ist nicht grundsätzlich in einer überlegenen Position, nur weil er das Geld hat.

      Alice Schwarzer meint dagegen mit Kate Millett: Ein Freier kauft sich nicht nur [lexicon]Sex[/lexicon], sondern auch Macht. Und deshalb sei [lexicon]Prostitution[/lexicon] ein Verstoß gegen die Menschenwürde.

      Wenn die Frau mündig ist und sich selbst entschlossen hat, wo ist der Verstoß gegen die Würde? Unter den Freiern gibt es genauso unterschiedliche Typen wie unter den Prostituierten. Die meisten kommen, weil sie gerade keine Partnerin haben. Es gibt die Abenteurer, die etwas ausprobieren wollen. Viele haben grundsätzlich ein Problem, eine Partnerin zu finden. Deshalb gibt es auch zum Beispiel Sexualassistenten für Behinderte. Es gibt auch eine Gruppe, die Frauen erniedrigen möchte. Aber diese Menschen sind psychisch krank und repräsentieren nicht den gesamten Kundenkreis.

      Das Bordell wäre nach ihrer Darstellung vor allem eine soziale Institution. Ist nicht das eher ein patriarchaler Mythos?

      Bordelle sind Orte, an denen zwei mündige Erwachsene Geld gegen [lexicon]Sex[/lexicon] austauschen. Das wird von Feministinnen wie Alice Schwarzer geleugnet. Sie vertritt einen Oberschichten-Feminismus. Darin wirkt die verordnete Keuschheit der bürgerlichen Frau aus vergangenen Jahrhunderten nach. Unehelicher [lexicon]Sex[/lexicon] machte aus ihr eine "gefallene Frau". In den unteren Schichten dagegen war [lexicon]Prostitution[/lexicon] ein legitimes Mittel zu überleben und Prostituierte waren sozial eingebunden. Wenn Schwarzer nun eine Soziologin zitiert, die Prostituierte als "sozial tote Frauen" und Freier entsprechend als "Nekrophile" bezeichnet, reproduziert sie diesen Oberschichten-Blick. Dass Frauen für [lexicon]Sex[/lexicon] Geld nehmen, ist eher eine Rebellion gegen das Patriarchat, das Männer ja uneingeschränkten Zugang zu [lexicon]Sex[/lexicon] sichern möchte.

      Und wenn Männer Zuhälter dafür bezahlen, dass sie Frauen benutzen, ist das auch nicht patriarchal?

      Das Wort Patriarchat verschleiert, dass alle Menschen gerne Macht ausüben. Es gibt viele weibliche Zuhälter. Und es gibt auch viele männliche Prostituierte. Wenn eine Prostituierte von einem Zuhälter ausgebeutet wird, ist das eine Form der Sklaverei, die geahndet werden mus, genauso wie andere Formen von Zwangsarbeit.

      Ist [lexicon]Prostitution[/lexicon] für Sie also ein ganz normaler Beruf, in den die Arbeitsagentur jede und jeden vermitteln kann?

      [lexicon]Prostitution[/lexicon] ist kein normaler Beruf sondern ein Spezialberuf, für den man spezielle Voraussetzungen mitbringen muss. Das kann man nicht jedem Menschen zumuten. Das tun die Arbeitsagenturen in der Regel auch nicht. Die sind eher sehr verunsichert, wenn jemand mit diesem Berufswunsch kommt.

      Ist es ein männliches Phänomen, sich [lexicon]Sex[/lexicon] zu kaufen? Oder ein menschliches, auf das die Frauen auch noch kommen werden?

      Frauen haben auch schon immer [lexicon]Sex[/lexicon] gekauft oder Liebhaber gehalten, wenn sie es konnten. Historisch gesehen gingen Frauen, die offiziell keine Sexualität haben durften, natürlich diskreter damit um. Ich habe aufgehört, an typisch männliche und weibliche Sexualität zu glauben.

      Nun ist aber die sexuelle Revolution auch schon mehr als 30 Jahre alt. Und immer noch klagen die Callboys, dass das Geschäft nicht gut läuft.

      30 Jahre sind nichts. Wir heute sind noch geprägt von unseren Müttern, die sexuell überhaupt nicht befreit waren. Ich sehe in meinem Umfeld immer mehr Frauen, die Interesse an sexuellen Experimenten haben.

      Viele Menschen wollen keine Bordelle in ihrer Nachbarschaft haben. Verstehen Sie das?

      Die Leute assoziieren kaputte, drogensüchtige Frauen, die kaputte, brutale Männer anlocken. Das ist ja in der Regel nicht so. Da wollen alle Beteiligten ein Höchstmaß an Diskretion. Mit anderen Worten: Die Menschen haben vielleicht schon ein Bordell in der Nachbarschaft, ohne es zu wissen.

      Was würden Sie tun als Stadträtin tun, wenn neue Bordelle eröffnen wollen?

      Ich würde Bordelle generell stärker kontrollieren, als es in Berlin der Fall ist. Ich finde es unverantwortlich, dass jeder Bauarbeiter einen Helm tragen muss, aber Prostituierte ohne [lexicon]Kondom[/lexicon] arbeiten und das auch offen bewerben dürfen.

      Sie plädieren für mehr Regulierung?

      Ja. Wir brauchen eine Prüfung wie bei der Gaststättenzulassung. Und ausländische Prostituierte brauchen eine geregelte Arbeitserlaubnis wie die Erdbeerpflücker auch. Damit wäre Schleppern viel Wind aus den Segeln genommen.

      Dagegen wehren sich viele Prostituierte. Sie wollen lieber anonym bleiben.

      Da wirkt die Angst vor gesellschaftlicher Repression noch nach. Mit dem neuen Prostituionsgesetz von 2001 ist schon viel erreicht worden. Aber es ist nur ein Anfang. Prostituierte haben aber nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Das ist vielen noch nicht so bewusst.

      Sie haben fünf Jahre als Prostituierte gearbeitet. Warum sind Sie wieder ausgestiegen?

      Mir wurde die [lexicon]Prostitution[/lexicon] zu raumgreifend. Ich wollte meine anderen Projekte stärker verfolgen und meine Prostitutionserfahrungen einbringen. Das kann man nur mit einer gewissen Distanz. Als Prostituierte ist man eine große sexy Illusion und ich wollte gern wieder zum kleinen unscheinbaren Ich zurück, das ich eigentlich bin.

      INTERVIEW: HEIDE OESTREICH

      Juliana da Costa José, geb. 14. 06. 1976 in Gräfelfing, gelernte Filmproduktionsleiterin, arbeitete fünf Jahre als Prostituierte und Callgirl und betreut seit zweihalb Jahren den Fachbereich Sexualität in der Wikipedia


      taz.de/!7600/
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    • Doku über Berliner Straßenhure "Julia": Krummes Geschöpf Gottes


      Doku über Berliner Straßenhure "Julia": Krummes Geschöpf Gottes
      Regisseurin J. Jackie Baier zeichnet in ihrem beeindruckenden Langzeit-Porträt "Julia" das intime Bild einer Berliner Straßenprostituierten.

      "Auf die Fresse gekriegt, ganz normal“, sagt Julia. Sie steht in einem Hauseingang und erzählt von ihrem Alltag auf dem Berliner Straßenstrich, Abteilung Transen. Vorher hat Julia mal im Hinterzimmer eines Sexkinos gearbeitet, aber auf der Straße fühlt sie sich freier. Hier müsse sie „nicht niederknien“, wie sie in ihrem wunderbaren Deutsch formuliert, durch das ein osteuropäischer Akzent schillert.

      Julia zuzuhören in diesem nach ihr benannten Dokumentarfilm ist faszinierend und schockierend zugleich. Denn meist steht die junge Frau mit den rotblonden Haaren und den vollen Lippen unter hohem Alkoholeinfluss.

      Manchmal sind auch harte Drogen im Spiel. Doch selbst wenn Julia sichtlich zugedröhnt ist, behält sie noch ihre Sprachgewalt, analysiert ihre Lage schonungslos. In der emotionalsten Szene besucht sie den Friedhof ihres litauischen Heimatortes Klaipeda. Zwölf Jahre lang ist sie nicht hier gewesen, schon mit 18 ging sie nach Berlin. Nun soll sie vor der Kamera einen Stein auf das Grab ihres bewunderten Großvaters legen. Sie kommt nicht weit, macht sich in die Hose, kehrt um. Es ist herzzerreißend, wie sie sich anschließend als Versagerin und Wrack beschimpft.

      Wie aus Student Jaroslavas Straßenhure Julia wurde

      Das Litauenkapitel vermittelt eine Ahnung davon, wie aus dem begabten Kunststudenten Jaroslavas die kaputte Straßenhure Julia werden konnte. Da ist das Bewusstsein für die eigene [lexicon]Transsexualität[/lexicon], das Gefühl, nicht reinzupassen in die konservative Gesellschaft. Dann die erfahrene [lexicon]Nutte[/lexicon], die ihr rät, es mal als Prostituierte im Hafen zu probieren. Wodka hilft, das Geld fließt ...

      Regisseurin J. Jackie Baier, die selbst transsexuell ist und zuletzt „House Of Shame – Chantal All Night Long“ drehte, hat Julia zwischen 2003 und 2012 immer wieder fotografiert, interviewt und gefilmt. Das dabei entstandene Vertrauen hat dieses ungewöhnliche, intime Filmporträt ermöglicht, das Julia nie würdelos zeigt. Auf den eingestreuten Fotos ähnelt sie manchmal sogar Marylin Monroe, dann wieder erinnern die Bilder an Porträts der Fotografin Nan Goldin. Ihre frappierendste Charakterisierung liefert Julia eines nachts selbst: „Ich kann nicht sagen, dass ich eine Frau bin, aber ich bin auch kein Mann. Ich bin etwas ... ein Geschöpf Gottes, aber ein krummes Geschöpf Gottes.“


      tagesspiegel.de/kultur/doku-ue…oepf-gottes/11198450.html
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Titel: KInofilm: „Déformation professionelle


      Titel: KInofilm: „Déformation professionelle
      Der Freitag: Gleich vorweg ein Kompliment. Wenn man „Top Girl“ gesehen hat, kommt man ziemlich verstört aus dem Kino. In der Schlussszene liegen vier Frauen nackt auf einer Lichtung, wie abgeschossene Rehe – drumherum stehen fünf Männer mit Gewehren und singen das Lied vom Jäger aus Kurpfalz. Das ist also Ihr Kommentar zum Stand des Geschlechterkampfs?

      Tatjana Turanskyj: Es ist eine stark stilisierte Szene. Die Männer haben die Frauen gejagt, in einer Sex-Spiel-Performance, outdoor, im Wald. Solche Jagden soll es tatsächlich gegeben haben, etwa nach dem Ersten Weltkrieg in Uruguay. Ex-Soldaten, auch deutsche, haben den Einheimischen Jungfrauen abgekauft und sie zu Tode gehetzt. Alain Robbe-Grillet hat darüber geschrieben. Im Film sind die Frauen „erlegt“, aber nicht tot. Sie liegen als Beute vor den Freiern, die im wahren Leben Werbetexter oder Versicherungsmakler sind. Aber es geht mir nicht darum, Männer nur als Täter vorzuführen. Die Frauen haben durchaus Macht. Sie haben dieses Spiel inszeniert, sie manipulieren oder beherrschen als Sex-Arbeiterinnen die Fantasien ihrer Kunden.

      Tatsächlich agieren die „Top Girls“ in Ihrem Film als ihre eigenen Ich-AGs. Sie führen ihre sexuellen Geschäfte und wirken dabei in etwa so abgekocht – aber auch so erschöpft – wie ihre männliche Kundschaft.

      Was ich generell interessanter finde als den Unterschied zwischen Männern und Frauen, ist etwas, das beide betrifft: der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Emanzipation. Der lässt sich gut an der aktuellen Quoten-Debatte ablesen.

      Inwiefern?

      Ich bin klar für die Quote. Ich glaube, dass sie ein wichtiger Schritt ist. Es geht darum, dass Frauen den gleichen Zugang zu Geld und Macht erlangen und dass sie sich meinetwegen auch jüngere Liebhaber nehmen können, wie Männer es tun. Das ist ein wichtiges Etappenziel. Aber es bedeutet nicht, dass wir damit in einer besseren Welt leben. Denn diese Art von Gleichberechtigung geschieht innerhalb eines paternalistischen Systems – das auch Männer knebelt. Die Emanzipation will viel mehr, sie hat einen utopischen Kern. Da geht es um die Befreiung aus autoritären Strukturen, für beide Geschlechter. Frauen können so machthungrig oder gierig sein wie Männer – die Quote würde da als Erkenntisbeschleuniger helfen. Einflussreiche Frauen wie Sheryl Sandberg oder Ursula von der Leyen betrachte ich inhaltlich mit großer Skepsis. Aber ihr Rollenspiel ist hervorragend

      Das „Rollenspiel“ führt uns zurück zu „Top Girl“: Bei dem Bezahl-Sex im Film werden die Rollen ständig getauscht. Die Freier legen ihre Businessanzüge ab und zwängen ihre Füße in Stöckelschuhe, während die Heldin Helena sich einen künstlichen [lexicon]Penis[/lexicon] umschnallt und ihren Lieblingskunden penetriert.

      Ich wollte auf keinen Fall einen sogenannten Milieufilm drehen. Die Sex-Agentur, in der Helena arbeitet, ist ein Loft mit großen Glasfronten über dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte. „Nicht authentisch“, hieß es von manchen. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich wollte eigene, auch formal strenge Bilder für diese Art von Geschäftsbeziehungen finden. Natürlich habe ich viel recherchiert. Und demnach haben Fetisch-Praktiken stark zugenommen, in allen Schichten. Ich verurteile das nicht. Sexualität hat heute nicht nur mit einer bestimmten Körperlichkeit zu tun, sondern auch mit Mindfucks aller Art. Als Künstlerin arbeite ich mit diesen Fantasien.

      Fast wirkt es in Ihrem Film so, als ob da ein riesiges Hetero-Sex-Theater aufgeführt wird, als ob Männer und Frauen sich gegenseitig karikieren, in den Kostümen des jeweils anderen.

      Das ist eine interessante Beobachtung. Da ist was dran.

      „Top Girl“ ist Ihr zweiter Film zum Thema „Frauen und Arbeit“. Im Vorläufer, „Die flexible Frau“, ging es um eine prekäre Architektin aus dem Hipster-Milieu. Ist die [lexicon]Prostitution[/lexicon] aus Ihrer Sicht ein normaler Beruf?

      Es gab ja gerade diese große Prostitutionsdebatte, die Alice Schwarzer losgetreten hat. Viele Frauen empfanden Schwarzers Thesen als bevormundend und sexistisch, das kann ich nachvollziehen. Die Helena in Top Girl hat keinen Zuhälter, sie begreift sich als selbstbestimmt und frei. Solche Sex-Arbeiterinnen gibt es, sogar viele. Aber ich habe bei der Recherche auch ganz andere Geschichten gehört, da ist nichts zu beschönigen. Trotzdem bin ich gegen ein Verbot der [lexicon]Prostitution[/lexicon]. Das würde die Frauen zu etwas machen, was sie nicht sind, Kriminelle. Aber man kann auch nicht leichthin sagen, Sexarbeit sei ein Beruf wie jeder andere. Interessanter wäre ohnehin eine Debatte über Körperlichkeit und Intimität im fortgeschrittenen Kapitalismus.

      „Déformation professionelle“ lautet der Film-Untertitel. Wo-ran macht sich diese Deformation fest, etwa bei Helena?

      Ich wollte vor allem eine gewisse Normalität abbilden. Meine SexArbeiterin Helena hat ein Kind. Sie ist Deutsche und arbeitet oft von zu Hause aus. Eigentlich ist sie Schauspielerin, eine aus der dritten Reihe, die früher mal in einer Soap mitgespielt hat. Aber das läuft eben nicht mehr. Ich will das „Huren“-Bild nicht nur entstigmatisieren, sondern auch entromantisieren. Die Deformation besteht darin, dass Helena in der Sex-Branche Karriere macht, indem sie etwa diese Frauen-Jagd für ihren Hauptkunden organisiert. Die Affirmation der Frau als Beute, der Verrat an ihrem eigenen Geschlecht ist die Voraussetzung für ihren Erfolg.

      Auch eine Schönheitschirurgin kommt im Film vor, sie wirbt für Schamlippenstraffungen.

      Ja, sie benutzt die Errungenschaften der Frauenbewegung als Werbeargument, spricht von Selbstermächtigung und davon, dass Frauen heute „selbst entscheiden“ könnten, was sie „für sich“ tun wollen. Das ist eine Schein-Emanzipation, eine dieser post-feministischen Rhetoriken. Die Chirurgin ist die Schwester der selbstbestimmten Sex-Arbeiterin. Dieser „Anything-goes“-Gedanke ist Teil einer affirmativen Dienstleistungskultur. Es gibt Frauen, die daraus einen Gewinn ziehen können. Viele andere werden dadurch wieder zu Verliererinnen.

      Die gescheiterte Schauspielerin in der Sex-Branche – zuvor die abgebrannte Architektin im Callcenter: Sie werfen einen recht pessimistischen Blick auf die Frau im Postfordismus.

      Das stimmt. Vor allem interessieren mich die Widersprüche. Es sind immer Außenseiterinnen der Mittelschicht in meinen Filmen. Diese Abstiegsgeschichten sind in den Großstädten heute doch fast der Normalfall. Und sie treffen eben auch viele Frauen. Was interessant ist, weil Frauen noch gar nicht so lange berufstätig sein „dürfen“. Es trifft auch Helenas Mutter Lotte, eine Alt-68erin, einst eine gefragte Jazz-Sängerin. Heute gibt sie Gesangsunterricht und verkauft Klamotten bei eBay. Aber sie gehört eben einer anderen Generation an, auch einem anderen Feminismus. Sie lebt vielleicht ganz entspannt von Hartz IV und verliebt sich in einen jüngeren Schüler.

      Haben Sie für den dritten Teil Ihrer Filmreihe schon eine bestimmte Berufsgruppe im Sinn?

      Ja. Es wird sich um zwei PR-Agentinnen drehen. Die sind beauftragt, für das Berufsbild „Weibliche Soldaten“ zu werben.

      Da ist er wieder: der Von-der-Leyen-Faktor.

      Das Drehbuch gab es schon vor ihrem neuen Militärposten! Im Ernst: Ich glaube, Soldatinnen haben eine große Zukunft. Drohnen sind doch nichts anderes als herumfliegende Penisse. Die müssen betreut werden. Ich denke: Da werden die angeblichen „Soft Skills“von Frauen wieder ganz stark ins Spiel kommen.

      Das Gespräch führte Katja Kullmann.


      freitag.de/autoren/katja-kullmann/fetische-gehoeren-dazu
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Arbeit im Liegen


      Arbeit im Liegen

      SPIELFILM "Top Girl oder La déformation professionelle" von Tatjana Turanskyj erkundet den Alltag einer Prostituierten

      VON CAROLIN WEIDNER

      Der zweite Teil von Tatjana Turanskyjs Trilogie "Frauen und Arbeit", "Top Girl oder La déformation professionelle" mit Julia Hummer und Susanne Bredehöft in den Hauptrollen, schafft irgendwann in der Mitte einen guten Link zwischen den Tätigkeiten beider Frauen, der fast untergeht, so subtil ist er. Da sitzt Lotte (Bredehöft), Gesangslehrerin, einstige Chanteuse, Mutter, Großmutter, mit ihrem erwachsenen Schüler vor den Tasten. Herumgeübt wird an der Bach-Kantante "Ich habe genug", und der unbegabte Sänger kann dieses "genug" einfach nicht vernünftig halten. Lotte verzagt nicht, zählt geduldig mit und schließt letztlich mit der Floskel: "Singen ist Sport im Stehen." Dabei klingt es ja immer so einfach, das Singen. Wenn es denn klappt. Jedenfalls macht es für alle, die nicht selbst ranmüssen, öfters den Anschein. Lotte aber weiß es besser.

      Bei Helena (Julia Hummer) verhält es sich ein wenig anders. Sie ist die knapp 30 Jahre alte Tochter von Lotte, ebenfalls Mutter und vom Selbstbild her Schauspielerin. Und tatsächlich sieht man Helena einmal bei einem Casting. Sie soll, so die Regieanweisung, eine "notgeile Frau" spielen, eine, die mal einen Sekt zu viel trinkt an der Bar und dann eben total "notgeil" wird. Helena kommt dieser Aufforderung in genau der Art nach, wie sie sie auch empfindet: als Veräppelung. Für die folgende, völlig überzogene Darstellung dieser Notgeilen kann man Turanskyj und Hummer eigentlich nur danken. Sie ist ein dicker, fetter Mittelfinger in Richtung einer biederen und gleichsam versabberten Verklemmtheit. Sekt, feuchtes Höschen, könnt ihr haben, denkt sich diese Helena und robbt schon über den Boden, "Ich bin so notgeil, so notgeil", keuchend. Abgang.

      Helenas Berührung mit Sexualität fällt in Wahrheit um einiges komplexer aus. [lexicon]Sex[/lexicon] ist ihre Arbeit. Und Turanskyj gelingt es, an ihrer Helena deutlich zu machen, was für eine knallharte Arbeit das eigentlich ist. Ähnlich den Klängen, die den Profis scheinbar mühelos aus der Kehle steigen, switcht Helena durch ihr Repertoire als "Jacky". Lücken im Programm fallen sofort auf, werden reklamiert. Als Helena einmal den Analsex mit einem Kunden abbricht, bemerkt dieser: "Ich dacht, du bist 'n Profi. So kann ich's auch zu Hause haben, ey."

      Dabei scheut Helena keine Mühen. Für einen anderen Kunden wird gleich eine ganze Geschichte inszeniert, Sprechproben inklusive. Und nach der Arbeit absolviert Helena neben dem Wäscheständer Sit-ups, bis das Gesicht rot ist. Auch ansonsten ist von ekstatischer Lust wenig zu sehen. Die wieder zu Helena Gewordene kämmt ihre Perücken, desinfiziert, putzt, putzt, putzt.

      Alle sind Verlierer

      Sie verkörpert damit einen großen Kontrast zu den Männern, die einem in "Top Girl" begegnen. Turanskyj zeigt sie nämlich immer wieder als selig Schlafende, erschöpft vom Liebesspiel, friedlich, harmlos. Im Wachzustand präsentieren sich einige indessen als eher unangenehme Gesellen, deshalb jedoch nicht minder bemitleidenswert. Der "So kann ich's auch zu Hause haben, ey"-Kunde etwa, ist ein überarbeiteter Programmierer, der von einer Feedback-Runde zur nächsten hechelt, in der Hoffnung, nach diesem Auftrag ein ganz neues "Level" zu erklimmen. Von dieser Perspektive aus stimmt es schon, was ein Protagonist in Turanskyjs vorangegangenem Film, "Eine flexible Frau" von 2010, so deprimierend bemerkt: Dies ist "ein System, in dem Männer und Frauen gleichermaßen Verlierer sind". Die flexible Frau hieß damals Greta M. (Mira Partecke) und war eine vierzigjährige Architektin, die geradewegs in die Arbeitslosigkeit geschlittert war und mit diesem Herausfallen aus der Welt der Werktätigen so gar nicht klarkam. Helena schlägt sich hingegen bravourös. Zu bravourös. Perfektionistisch. Verbissen.

      Wurde Greta in "Eine flexible Frau" im Callcenter noch mit Sprüchen wie "Wissen Sie, man muss immer freundlich sein, innerlich lächeln" bedacht - was diese eher dazu verleitete, noch einen Schnaps mehr zu kippen und noch ein bisschen lauter zu heulen, befindet sich Helena in "Top Girl" nicht nur in einer Zone, die ohnehin schon recht hermetisch und wortkarg ist. Helena selbst bewegt sich mit dieser sonderbaren, aber eindringlichen Mischung aus Härte, Stolz und Verschlossenheit. Man guckt ihr gebannt dabei zu, die Figur ist stark, auch brüchig, und Hummer spielt sie hervorragend. Isoliert aber sind beide Frauen, Greta wie Helena. Eine, weil sie ihre Position in der regulären Arbeitswelt verloren hat und nicht weiterweiß. Die andere, weil sich ihr Arbeitsalltag im Verborgenen abspielt, unsichtbar bleibt. Die eine macht Krawall. Und die andere exzessiv Sportübungen in der Wäschekammer.

      "Top Girl oder La déformation professionelle". Regie: Tatjana Turanskyj. Mit Julia Hummer, Susanne Bredehöft, RP Kahl u. a. Deutschland 2014, 98 Min.


      taz.de/1/archiv/digitaz/artike…8f1fb175a1f44786e4c34bee1
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      "Leide mit einem Lächeln"
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      Rathaus-Ausstellung zu "Menschenhandel und Sklaverei in Deutschland heute"

      Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Himmelsthür sowie Studierende der HAWK Hildesheim, Fakultät Gestaltung, haben mit gemeinsam entworfenen Plakaten am 4. Design-Wettbewerb "Melde Menschenhandel" (Menschenhandel/moderne Sklaverei in der heutigen Zeit in Deutschland) der broken hearts stiftung (Hamburg) teilgenommen. Die dabei entstandenen Werke werden vom 19. Januar bis 6. Februar in der Rathaushalle der Stadt Hildesheim präsentiert. Der Kunstpädagoge Rolf Behme und HAWK-Dozent Professor Horst Guckert haben das Projekt begleitet und betreut.

      Menschenhandel und moderne Sklaverei kommen auch in Deutschland vor, das Dunkelfeld ist laut broken hearts Stiftung jedoch immens. Die Opfer würden gezielt über die wahren Arbeitsverhältnisse im Unklaren gelassen und ausgebeutet. Zum Teil würden sie bedroht, mit Gewalt gefügig gemacht und könnten sich in der Regel selber nicht aus ihrer Lage befreien. Die Täter verdienten ein Vermögen mit der "Ware Mensch" die Nachfrage werde angetrieben - auch durch gedankenlosen Konsum.

      Die broken hearts stiftung wurde Ende 2011 mit dem Ziel gegründet, mehr und kreative Aufklärungsarbeit gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei in Deutschland zu leisten. Aus der Erkenntnis, dass dieses Thema auch heute noch relevant ist, aber nur von wenigen Menschen wahrgenommen wird, engagiert sich die Stiftung auf verschiedenen Ebenen.

      Eine Form der Aufklärung ist ein wachrüttelndes Plakat. Seit einigen Jahren wird daher ein entsprechender Designwettbewerb veranstaltet. Mit Hilfe der Kreativität junger Menschen sollen dabei neue Ideen für die Kommunikation der Missstände entwickelt werden. Die Kampagne soll motivieren, Verdachtsfälle von Sklaverei und Menschenhandel in Deutschland zu erkennen und zu melden - auch wenn das eigene Konsumverhalten nicht geändert wird. Das individuelle Verhalten soll nach Vorgaben der Stiftung, wenn möglich nicht über die Kampagne bloß gestellt oder moralisiert werden.

      Die Ausstellung wird am Montag, 19. Januar, 17.30 Uhr, von Bürgermeisterin Beate König in der Rathaushalle eröffnet. Es sprechen Dr. Cinderella von Dungern, Vorstand der broken hearts stiftung, und Rolf Behme, Landeskoordinator für das Fach Kunst. Zu dieser Veranstaltung sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen!

      Weitere Informationen finden sich unter brokenhearts.eu.

      hildesheim.de/magazin/artikel.…&type=&menuid=2&topmenu=2
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Für den Wahlkampf opfert die SPD die Rechte der Sexarbeiterinnen

      Für den Wahlkampf opfert die SPD die Rechte der Sexarbeiterinnen

      Video

      Die Sexarbeiterinnen von St. Georg sind zwei Jahren massiven Schikanen der Polizei ausgesetzt: Seit die Kontaktverbotsverordnung gilt. Sie sollte die Freier treffen, doch sie kriminalisiert die Prostituierten. Bußgelder und Erzwingungshaft bewirken das Gegenteil von dem, was beabsichtigt gewesen ist.

      Der Antrag* von Linksfraktion, Grünen und FDP, die Verordnung endlich aufzuheben, wurde von der SPD abgelehnt. Die CDU hat sich enthalten. Kersten Artus legt vor der Abstimmung das sozialpolitische Desaster, das die SPD damit verursacht, dar: Für eine Handvoll Stimmen opfert die SPD im Wahlkampf die Rechte der Sexarbeiterinnen.


      * Wortlaut des Antrages:

      Die Bürgerschaft möge beschließen:
      Der Senat wird aufgefordert, die Verordnung über das Verbot der Kontaktaufnahme zu Personen zur Vereinbarung entgeltlicher sexueller Dienstleistungen im Sperrgebiet (Kontaktverbotsverordnung – KontaktverbotsVO) vom 24. Januar 2012 umgehend aufzuheben.


      kerstenartus.info/fuer-den-wah…hte-der-sexarbeiterinnen/
      j
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    • Katholischer Verein hilft Prostituierten

      27.1.2015

      Katholischer Verein hilft Prostituierten

      Düsseldorf. Bis zu 70 bulgarische Frauen bieten sich auf der Charlottenstraße Freiern an. Der SKFM unterstützt die Betroffenen.


      Vor ungefähr drei Jahren tauchten sie plötzlich auf, "und mit der Zeit kamen immer mehr", erinnert sich Ina Schubert. Die Leiterin der Kontakt- und Notschlafstelle Knackpunkt des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) an der Grupellostraße spricht von bulgarischen Roma-Frauen, die rund um die Charlottenstraße der [lexicon]Prostitution[/lexicon] nachgehen. Bis zu 70 sind es, die sich Freiern anbieten, zwischendurch dann auch wieder in ihre Heimat fahren, aber meist zurückkehren. Zuvor besuchten den Knackpunkt fast nur drogenabhängige deutsche Prostituierte. "Die beiden Gruppen sind natürlich komplett unterschiedlich. Und es hat lange gedauert, bis sie halbwegs miteinander klarkamen", erklärt die Sozialpädagogin.

      Das Angebot an Betreuung für diese neue Klientel musste komplett revidiert werden. "Es fängt an mit der Sprachbarriere. Die Frauen sind zudem oft Analphabetinnen, nicht krankenversichert und haben in ihrem Leben noch nie ein [lexicon]Kondom[/lexicon] gesehen", sagt Schubert. "Ihre Form der [lexicon]Empfängnisverhütung[/lexicon] ist die Abtreibung." Es beginnt aber bereits damit, dass diese bulgarischen Frauen ein komplett anderes Wertesystem haben. "Sie kennen keine Regeln, halten sich nicht an Termine, etwa beim Gesundheitsamt, und sind auf der Straße sehr laut. Das geht so natürlich nicht, und das konnten wir ihnen mit der Zeit auch verständlich machen", betont Schubert. Dass sie überhaupt einen Zugang zu den Prostituierten fand, hat die Sozialpädagogin der Bulgarin Zhana Kazakova zu verdanken, die seit zwei Jahren nebenamtlich im Knackpunkt arbeitet.

      Federführend haben die beiden Frauen das Programm "Stapka po Stapka" (Schritt für Schritt) erarbeitet, mit dem den Betroffenen gezielter geholfen werden soll und das eine längere Öffnungszeit der Kontaktstelle auf der Grupellostraße sowie mehr Betreuung auf der Straße beinhaltet. "Das ist in unseren Augen auch ein Beitrag zur Integration. Wir haben bei der Stadt Geld dafür beantragt, aber nur ein Drittel der gewünschten Summe erhalten. Damit ist unser Spielraum natürlich begrenzt", erzählt Schubert.

      Die bulgarischen Roma-Frauen, in der Regel zwischen 18 und 40 Jahre alt, wirken sehr gepflegt, obwohl sie sich bisweilen mit bis zu 20 Personen eine Wohnung teilen oder in billigen Hotels absteigen. "Sie haben auch nicht den klassischen Zuhälter, meist sind es Familienangehörige, die mit nach Deutschland kommen", berichtet Schubert. Zuletzt wanderten viele der Betroffenen in Sex-Clubs ab. "Die werden von den Betreibern mit offenen Armen empfangen, da sie nicht auf ein [lexicon]Kondom[/lexicon] bestehen", weiß die Sozialpädagogin.

      "Stapka po Stapka" ist gerade angelaufen, erste Erfolge sind aber bereits erkennbar. Einzelne Frauen haben eine Arbeitsgenehmigung erhalten und einen Job als Reinigungskraft oder im Restaurant gefunden. "Doch es bleibt schwierig. Viele haben nicht einmal einen Ausweis", so Schubert.

      rp-online.de/nrw/staedte/duess…stituierten-aid-1.4828147
      UB
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Zwischen Studium und Straßenstrich

           
      28.1.2015

      Zwischen Studium und Straßenstrich

      Tagsüber promoviert er, abends ist er Ansprechpartner für die Frauen auf dem Strich: Josef hat in Münster ein Streetwork-Projekt für Prostituierte gegründet.

      "Marischa", die polnische Form des Namens "Maria", ist ein junges Projekt in Münster, bei dem die Studierenden ehrenamtlich die Frauen auf dem Straßenstrich in der Siemensstraße betreuen. Ungefähr alle zehn [lexicon]Tage[/lexicon] laufen sie die Straße ab und kümmern sich um die Belange der etwa zwanzig Prostituierten. Wenn sie nicht vor Ort sind, begleiten sie die Frauen zu Terminen oder beraten sie am Telefon oder per E-Mail. Das Projekt existiert seit Anfang 2013, aktuell bilden 15 Ehrenamtliche das "Marischa"-Team, die meisten davon Studenten. Josef ist einer der Mitgründer, wegen des sensiblen Themas möchte er gerne anonym bleiben.

      jetzt.de: Josef, Münster ist ja nicht gerade für das Thema [lexicon]Prostitution[/lexicon] bekannt. Wie kam es dort zu diesem Projekt?

      Josef: Mich hatte es jahrelang beschäftigt, dass es in Münster hinter dem Cineplex einen Straßenstrich gibt. Elisa, die spätere Mitgründerin von "Marischa", kannte ich von einem anderen sozialen Projekt und habe sie gefragt, ob sie von dem [lexicon]Strich[/lexicon] weiß - sie war total geschockt. Wir sind noch am selben Abend über die Siemensstraße gefahren und haben uns das angeguckt.

      Das war eine gruselige Situation: Wir saßen im Auto und haben uns angeregt unterhalten, und plötzlich kommen diese Frauen an den Straßenrand und winken uns zu. Auf dem Rückweg haben wir beschlossen herauszufinden, ob es vor Ort jemanden gibt, der weiß, wer die Frauen sind und ob sie irgendwas brauchen.

      Wie sieht euer Engagement auf dem Straßenstrich konkret aus?

      Wir verteilen Kaffee, Kondome, die wir von der Aidshilfe gesponsert kriegen, und Visitenkarten. Da stehen unsere E-Mail-Adresse und unsere Telefonnummer drauf, die können die Frauen anrufen, wenn es Schwierigkeiten gibt, wenn sie zum Arzt wollen oder ähnliches. Oft wollen sie aber auch einfach nur reden.

      Man muss mit dem Helfen sehr vorsichtig sein. Wir wollen den Frauen auf Augenhöhe begegnen und Beziehungen aufbauen. Deshalb gehen wir immer in Zweiergruppen los, meistens mit einer Frau und einem Mann. Die Frauen stellen immer den ersten Kontakt zu den Prostituierten her. Wenn eine von ihnen gerade im Kundengespräch ist, gehen wir auf der anderen Straßenseite vorbei. Mittlerweile passiert es oft, dass eine Frau uns aus dem Augenwinkel sieht, das Gespräch unterbricht, das Auto weiterwinkt und uns signalisiert, dass wir zu ihr kommen sollen. Das ist ein Vertrauensbeweis.

      Mit was für Problemen wenden sich die Prostituierten an euch?

      Meistens helfen wir mit medizinischen Dingen, das heißt, wir vermitteln zum Frauenarzt oder ins Gesundheitsamt, da werden kostenlose Untersuchungen für Prostituierte angeboten. Wir achten auch darauf, dass sich die Frauen regelmäßig kontrolliert lassen. Und wir vermitteln Sprachkurse. Neunzig Prozent der Frauen kommen aus Bulgarien, einige können ihre eigene Sprache nicht lesen.

      Außerdem helfen wir bei allen Sachen, die mit Finanzierung, Unterhalt, Wohnung und so weiter zusammenhängen. Viele der Frauen haben Kinder in Bulgarien, einige sollen rüberkommen. Vor zwei Wochen haben wir erfahren, dass ein paar Frauen aus ihrer Wohnung geschmissen wurden. Da wird unsere Übersetzerin jetzt Vermitteln helfen. Es gibt sehr viel Behördenkram, der geregelt werden muss.

      Werdet ihr auch mit dem Thema Zwangsprostitution konfrontiert?

      Wir wissen natürlich, dass wir auf bestimmte Dinge achten müssen. Wenn wir sehen würden, dass eine der Frauen minderjährig ist, müssten wir die Polizei einschalten. Oder wenn die Frauen offensichtlich auf die Straße geprügelt oder mit Drogen gefügig gemacht werden. Diese Zeichen können wir so nicht erkennen, aber es ist natürlich immer schwierig, bei [lexicon]Prostitution[/lexicon] von Freiwilligkeit oder Zwang zu sprechen.

      "Eine Sozialarbeiterin hat uns geraten, immer Turnschuhe anzuziehen, damit wir im Notfall wegrennen können."

      Eure Arbeit ist nicht ganz ungefährlich ...
      Ja, wir wussten am Anfang überhaupt nicht, was uns in Münster erwartet. Wir hatten von ähnlichen Projekten in anderen Städten gehört, wo auch schon mal ein Messer gezogen wird. Wir haben auch mit Sozialarbeitern im Ruhrgebiet gesprochen, die Schießereien erlebt haben. Vor unserem ersten Gang auf die Siemensstraße haben wir uns deshalb die Sicherheit vor Ort von der Polizei bestätigen lassen. Außerdem wurden wir von einer Sozialarbeiterin aus Duisburg beraten.

      Ich werde nie vergessen, wie sie am Ende noch gesagt hat, wir sollten bloß daran denken, Turnschuhe anzuziehen, damit wir im Notfall wegrennen können. Inzwischen wissen wir aber, dass es in Münster nicht so schlimm ist. Es ist jedenfalls noch nie wirklich brenzlig gewesen.

      Kommt es auch mal vor, dass die Frauen euer Engagement ablehnen, weil sie sich zum Beispiel bevormundet fühlen?

      Wir merken schon, dass die meisten sich wirklich freuen, wenn wir da sind. Es gibt aber auch eine Frau, die uns am Anfang eher abfällig begegnet ist und uns zu verstehen gegeben hat, dass wir besser abhauen sollen. Das haben wir dann auch gemacht. Jetzt hat sie sich aber auch schon mal eine Visitenkarte genommen und an Weihnachten die Kekse, die wir mitgebracht haben.

      Da ist aber bis heute eine große Zurückhaltung. Ich glaube, dass das an Dingen liegt, die bei ihr im Hintergrund laufen, aber da können wir im Moment nichts dran ändern. Wir wurden auch schon von der Presse mit der Aussage konfrontiert: "Ihr wollt die Frauen zum Ausstieg überreden." Das stimmt einfach nicht. Wir thematisieren das in den Gesprächen nicht. Wenn aber von einer Frau der Impuls kommt, dann bieten wir ihr an, sie beim Ausstieg zu begleiten.

      Du promovierst in katholischer Theologie. Wie viel hat dein Engagement mit deinem Glauben zu tun?


      Ich persönlich mache das schon aus meiner Überzeugung als Christ heraus. Genau zwei Wochen, bevor wir das erste Mal auf die Siemensstraße gegangen sind, wurde Franziskus zum Papst gewählt und hat gesagt "Geht zu den Menschen am Rand der Gesellschaft."

      Das war natürlich Zufall und hatte nichts mit unserem konkreten Projekt zu tun, aber es war trotzdem schön, sowas kurz davor zu hören. Uns geht es ja gut, das kann man doch mit Menschen teilen, die nicht so viel Glück haben. Es wäre aber natürlich Quatsch zu sagen, dass Christsein ein Kriterium ist, um Gutes zu tun.

      Ihr seid alle keine ausgebildeten Sozialarbeiter, Psychologen oder ähnliches. Wie verarbeitet ihr das, was ihr auf der Siemensstraße erlebt?

      Ich kannte schwierige Begegnungen mit Menschen schon von anderen sozialen Projekten, aber nicht im konkreten Bereich der [lexicon]Prostitution[/lexicon]. Wir reden untereinander sehr viel darüber, machen aber auch Gruppen-Supervision, das heißt, wir haben jemanden, der mit uns auf die Dinge schauen kann. Alles an sich heran zu lassen, kann problematisch sein. Wenn ich am nächsten Tag wieder arbeiten muss, beschäftigt mich das schon noch, aber es zieht mich nicht runter. Ich nehme das nicht mit nach Hause.

      Wer das "Marischa"-Projekt unterstützen möchte oder Fragen hat, erreicht die Verantwortlichen über die E-Mail-Adresse marischa2013@yahoo.de.

      jetzt.sueddeutsche.de/texte/an…tudium-und-Strassenstrich
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Männer bei der Sexarbeit

      1.2.2015

      Männer bei der Sexarbeit

      Einer zahlt

      Der eine ist alt, der andere jung. Der eine braucht [lexicon]Sex[/lexicon], der andere braucht Geld. Die Liebe funkt dazwischen. Das Protokoll einer Beziehung.


      Eigentlich wollte ich nichts kaufen. Ich lief an dem Supermarkt vorbei, der zwischen zwei Sexkinos liegt. Das eine ist für Schwule und das andere für Heteros, in dem aber auch Freier mit ihren Strichern verkehren. Da sah ich ihn. Er stand vor dem Supermarkt und verkaufte die Straßenzeitung, und er war umwerfend. Hübsch, jung und sichtlich nicht deutsch, wie all die Jungs, die dort gewöhnlich stehen.

      Nur hatte er feinere Züge. Er sah stolz aus und zugleich verletzlich. Wir schauten uns in die Augen - und da ging ich doch in den Supermarkt, um zwischen den Regalen zu überlegen, was ich ihm sagen könnte. Natürlich fiel mir nichts Originelles ein. Also ging ich raus zu ihm, drückte ihm zwei Euro in die Hand, sagte, die Zeitung wolle ich aber nicht haben - und was er sonst noch tun würde, außer Zeitungen zu verkaufen?

      "Alles", sagte er. "Auch Sex?", habe ich gefragt, und da meinte er, das habe er zwar noch nie gemacht, aber ja, schon. Für mich, sozusagen. Als Ausnahme.

      In das Sexkino wollte er nicht. Da drin seien zu viele seiner rumänischen Landsleute und er wolle dort nicht mit mir gesehen werden. Weil er kein [lexicon]Stricher[/lexicon] sei. "Okay", habe ich gesagt, "dann gehen wir zusammen in ein Hotel, ich muss aber vorher noch meine Mutter im Krankenhaus besuchen." Wir tauschten Telefonnummern aus, ich würde ihn in einer Stunde abholen, und er sagte auf Englisch: "Ich warte auf dich." Im Rückspiegel sah ich ihn da stehen. Er hatte tiefe dunkle Augen. Er war schön.

      Eine Odysee

      Als ich ihn abholte, begann unsere Odyssee durch die Stadt. In das Stundenhotel kamen wir nicht rein, weil Florin - so hieß er, Florin - keinen Ausweis dabei hatte und der Mann an der Rezeption ihm nicht glaubte, dass er über 18 sei. Zu mir sagte er, er sei 23. Also fuhren wir zu ihm nach Hause, um seine Papiere zu holen. Da er seinen Pass verloren hatte, auf dem Bau - er arbeitete oft auf dem Bau -, besaß er nur noch eine Kopie. Die nahm er mit.

      Auf dem Rückweg erzählte er von sich. Er war freundlich und erstaunlich ungezwungen, obwohl das ja eine seltsame Situation für ihn sein musste: Du setzt dich zu einem Mann ins Auto, auf der Suche nach einem Ort, an dem man [lexicon]Sex[/lexicon] haben kann, du kennst den Mann nicht, und du kennst den [lexicon]Sex[/lexicon] nicht, der dich erwartet. Ich wollte wissen, woher er kommt, was er eigentlich in Deutschland wollte und wie er lebte.

      Florin stammte aus einem Dorf, ein paar hundert Kilometer von Bukarest entfernt. Er war gut situiert aufgewachsen, sein Vater besaß ein großes Haus. Doch der war Alkoholiker und hatte die Kinder und die Mutter misshandelt. Sie zogen aus, der Vater versoff das Geld, und die Familie verarmte. Sie hatten nicht mal genug Geld, um den Schulbus zu zahlen, sagte Florin. Ein paar Jahre lang habe er nachts bei einem Bäcker gearbeitet, um morgens in die Schule fahren zu können.

      Irgendwann konnte er nicht mehr. Er träumte davon, wegzugehen und genug Geld zu verdienen, um später zurückkehren und einer Frau und seiner Familie ein Haus bauen zu können. Also zog er über Griechenland und Frankreich nach Deutschland und arbeitete auf dem Bau. Jetzt im Winter aber verkaufte er die Straßenzeitung, weil er sich für keinen anderen Job bewerben konnte, seit er seinen Pass verloren hatte.

      Sie musste [lexicon]Jungfrau[/lexicon] sein

      Seine Lage wurde immer verzweifelter, denn mit dem Verkauf der Zeitung konnte er nicht mal seine Miete zahlen. Er wohnte in einer 2-Zimmer-Wohnung in Neukölln, zusammen mit acht anderen Rumänen. Der Vermieter, auch ein Rumäne, verlangte von jedem 200 Euro im Monat. Er erzählte, dass sie alle in einem Raum schliefen. Manchmal, wenn er die Enge nicht mehr aushielt, legte er sich nachts in die Badewanne.

      Er hat mir das nicht alles auf unserer ersten Autofahrt erzählt, aber doch ziemlich viel. Auch von seiner Freundin. Die hatte er in Berlin kennengelernt, und auch sie lebte in dieser Wohnung, mit ihrer Mutter. Die beiden waren Roma und aus Rumänien gekommen, weil die Mutter die Tochter in Deutschland an einen einträglichen Mann vermitteln wollte.

      Das war Florin nicht, deswegen gab es oft Streit. Aber er wollte das Mädchen heiraten. Sie war [lexicon]Jungfrau[/lexicon], das war ihm wichtig. Er sprach nicht über seine Gefühle für dieses Mädchen, sondern von dem großen Moment, wenn er nach der Hochzeit das frisch befleckte Leintuch aus dem Fenster des eigenen Hauses in Rumänien hängen würde.

      Schließlich fanden wir ein Hotelzimmer und hatten [lexicon]Sex[/lexicon]. Ich fragte ihn vorher, ob er nervös sei. Ich hatte das Gefühl, da passiert tatsächlich gerade etwas zum ersten Mal. Er sagte ja. Doch dann war alles sehr selbstverständlich. Und natürlich. Das irritierte mich. Aber nicht, weil ich dachte, er lügt, von wegen: Ich habe das noch nie gemacht! Sondern weil ich nicht den Eindruck hatte - die ganze Zeit nicht -, dass ihm unwohl war bei dem, was wir taten. Im Gegenteil. Da war ein Widerspruch zwischen dem, was er sich für sein Leben vorstellte - und dem, was er lebte. Und fühlte.

      Zerreissende Doppelmoral

      Als ich anfing, mich für das Strichermilieu zu interessieren, waren da vor allem deutsche Jungs, oft drogenabhängig. Dann kamen türkische und arabische und jetzt sind es, schätze ich, überwiegend Rumänen, darunter viele Roma. Die meisten Jungs, die sich prostituieren, sind nicht schwul. Viele haben eine starke religiöse Prägung, auch was Sexualität angeht.

      Einen muslimischen [lexicon]Stricher[/lexicon] habe ich mal gefragt, wie er seinen Job mit seinem Glauben vereinbaren könne, und er sagte: "Solange ich mich nicht ficken lasse und nicht selber blase, hat Gott nichts dagegen." Es herrscht auf dem [lexicon]Strich[/lexicon] eine Doppelmoral, die einen eigentlich zerreißen muss. Diese Männer leben mit einer doppelten Stigmatisierung, sie sind Roma und männliche Nutten, die sich von alten Männern benutzen lassen - sozusagen unterster Bodensatz der Gesellschaft.

      Um zumindest untereinander ihren Stolz zu wahren, schließen die Jungs eine Art Ehrenpakt: Sie bestehen während der Verhandlungen auf ihrer aktiver Rolle beim [lexicon]Sex[/lexicon]. Sobald sie mit ihren Freiern alleine sind, werden die Regeln gebrochen. Dann heißt es: "Du kannst dies und jenes machen - aber nur, wenn du es nicht den anderen erzählst!" Das bringt dann zwischen 20 und 50 Euro. Am teuersten wäre es, einen [lexicon]Stricher[/lexicon] eine Nacht lang mit nach Hause zu nehmen. Das hätte ich nie getan. Für arme Menschen muss meine Wohnung wie ein Schloss erscheinen. Man wäre einander ausgeliefert, das wäre zu gefährlich.

      Florin war gläubiger Christ, und ich habe ihn sogar mal zu seinem Bibelkreis gefahren. Als ich ihm vorschlug, er könne doch einfach nach der Hochzeitsnacht das Leintuch mit roter Farbe beklecksen, war er entsetzt. Die Idee, eine unreine Frau nach Hause zu führen, war für ihn unvorstellbar. Aber er schlief mit mir, und es war schwer für ihn, das mit sich in Einklang zu bringen.

      Es kam schleichend

      Ich war nicht sofort verschossen, es kam schleichend. Er rief mich nach ein paar Tagen an und fragte, warum ich mich nicht meldete. Wir trafen uns wieder. Er sagte, er brauche Geld, für seinen Bruder in Rumänien. Ob das stimmte oder nicht, war mir egal. Seine Misere war offensichtlich. Ich habe ihn zum Essen und ins Kino eingeladen, "Mission Impossible 3". Er war als Kind zum letzten Mal im Kino gewesen und ganz hingerissen.

      Er erschien mir trotz seiner verzweifelten Situation sehr selbstbewusst und souverän. Das imponierte mir. Er erzählte, dass er als Kind alle Lesewettbewerbe gewonnen habe, dass er Violinist werden wollte und Anwalt. Dabei leuchteten seine Augen, und ich dachte, wann er wohl das letzte Mal jemandem von seinen Träumen erzählt hatte. Und wie schön es wäre, wenn ich ihm helfen könnte, wenigstens ein bisschen von dem, was er sich gewünscht hatte, zu erreichen.

      Ich war der einzige Deutsche, mit dem er Kontakt hatte. Natürlich hatte ich auch sexuelle Bedürfnisse an ihn und mir war klar, dass er das Geld brauchte. Aber ich wollte glauben, ich sei für ihn in jeder Hinsicht eine Ausnahme. Ich wollte sein Freund sein. Wir gingen zusammen zu einer Beratungsstelle, zur Polizei und dann zur rumänischen Botschaft, wegen seines Passes. Es war für ihn unvorstellbar, in sein Dorf zurück zu müssen, um dort die nötige Geburtsurkunde zu besorgen, finanziell und moralisch.

      Wenn wir uns trafen und er mir aus seinem Leben erzählte, wurden seine oft gequälten Züge weich, und er schien dankbar zu sein, reden zu dürfen. Ich half ihm, seiner Freundin zu helfen. Die flüchtete vor ihrer Mutter, da chauffierte ich sie mit ihrem Gepäck zu ihrem Arbeitgeber, einem Wirt, und wieder zurück, nachdem der versucht hatte, sie zu vergewaltigen. Es war so bizarr.

      ]Wenn er bei mir einzöge

      Allmählich begann ich dann zu fantasieren: Wenn ich ihm einen Job vermitteln könnte. Wenn er bei mir einzöge. Wenn ich ihm mal das Meer zeigen könnte. Wenn er erfahren könnte, wie schön Freundschaft ist. Und wenn meine Freunde vielleicht auch seine werden würden. Und ich bekam diese Symptome: dachte ständig an ihn, konnte nichts mehr essen, rauchte anderthalb Schachteln am Tag und stellte das Interesse meiner Freunde auf eine harte Probe: wieder und wieder mussten sie mit mir den Fall durchgehen.

      Ich glaube, sie verstanden mich und spürten, dass ich verliebt war. Das war so extrem lang nicht mehr geschehen. Ich hatte 17 Jahre eine Beziehung, dann starb mein Freund, vor zwölf Jahren. Es war höchste Zeit, sich mal wieder verlieben. Ich stellte mir vor, die Grenzen zu überwinden zwischen drin sein und außen vor. Ich träumte davon, derjenige zu sein, der diesen Menschen glücklich macht!

      Rückblickend denke ich: Wahrscheinlich ging es nicht um ihn. Verliebtsein hat doch etwas Narzisstisches. Mehr als man es sich in der akuten Situation eingestehen möchte. Es ist toll zu glauben, man werde von einem Menschen mit dem nahezu perfekten Körper begehrt - obwohl man selbst mehr als doppelt so alt ist. Und für diesen Menschen auch noch der Erste zu sein, der erste Mann.

      Ich Konrad Lorenz - er die Graugans. Aber mehr noch ging es um die Idee, dass der andere quasi durch mich zu seinem eigentlichen Ich findet, das derart einzigartig zu mir passt, dass wir gemeinsam glücklich werden. Dieses Meister-Schüler-Ding, gepaart mit meinem Helfersyndrom. "Pretty Woman", "My Fair Lady" - die ganz große Pygmalion-Oper.

      Er sah nicht glücklich aus

      Heute frage ich mich, ob es möglich gewesen wäre, die kulturellen Widersprüche und die finanzielle Abhängigkeit jemals aus so einer Beziehung herauszubekommen. Oder ob wir beide immer wieder auf die Erkenntnis zurückgeworfen worden wären, dass alles letztlich auf einer geschäftlichen Abmachung gründet. Heute kann ich die Sache so nüchtern sehen. Schade, ja. Denn so oder so, ich war schon sehr verliebt.

      Es kam dieser eine Abend. Seine Freundin war nicht in der Stadt, er sagte etwas von "freier Bahn" für uns beide. Ich lud ihn ein, zu mir nach Hause, er würde bei mir übernachten. Das erste Mal. Ich hatte Spaghetti Bolognese gekocht, die liebte er. Ich hatte einen Topf frischen Oregano gekauft und dessen Blätter über die Teller verstreut, eine Kerze angezündet. Er kam nicht.

      Noch in dieser Nacht, als ich mich mit Aperol Spritz betrank und mein Mitbewohner mich zu trösten versuchte, wusste ich: Ich würde ihn nie wiedersehen. Einmal habe ich ihn noch auf seinem Handy erreicht, dann wechselte er die Nummer. Er sagte, es täte ihm leid, aber er könne nicht "in beiden Teams" spielen. Und ich sei erwachsen genug zu verstehen. Im Hintergrund hörte ich seine Freundin. Neulich, ein Jahr später, habe ich ihn auf Facebook gefunden. Er sieht nicht glücklich aus. Der Oregano blüht wieder.

      taz.de/!153824/
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Doña Carmen e.V. und Voice4Sexworkers zum „Offenen Brief“ des Deutschen Juristinnenbundes u. a.

      An
      Deutsche Aidshilfe e.V.
      Deutscher Frauenrat e.V.
      Deutscher Juristinnenbund e.V.
      Diakonie Deutschland – Evangelischer Berufsverband
      Dortmunder Mitternachtsmission e.V.
      Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V.
      Frauentreff Olga, Berlin



      Sehr geehrte Damen,

      in einem „Offenen Brief“ an Bundeskanzlerin Merkel u. a. vom 27. Januar 2015 erklären Sie, dass Sie „die Rechte der Prostituierten stärken, sie vor Gewalt, vor Demütigungen bei Behörden und vor gesellschaftlicher Stigmatisierung schützen und ihnen eine gute gesundheitliche Versorgung ermöglichen wollen“.

      Das ist löblich. Konkret halten Sie drei Punkte für „kontraproduktiv“: verpflichtende Gesundheitsuntersuchungen, ein Mindestalter von 21 Jahren und eine Anmeldepflicht für Prostituierte. Das ist schon seit Langem die Position der Sexarbeiter/innen. Und dass sie sich ihnen anschließen, ist gut so.

      Man könnte sich beruhigt zurücklehnen und den „Offenen Brief“ unkommentiert lassen, wäre da nicht Ihre bewusst selektive Bezugnahme auf die vorliegenden Eckpunkte für ein „Prostituiertenschutzgesetz“ und Ihr beredtes Schweigen zum Kernpunkt der „Reform“, zur geplanten Einführung einer Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe.

      Schweigen heißt Einverständnis, heißt in diesem Fall: Durchwinken einer repressiven, gegen die Sexarbeiter/innen gerichteten „Reform“. Dass Sie sich dafür hergeben, entwertet Ihre kritischen Einwände.

      Wir wissen natürlich, dass vier der Unterzeichnerinnen des „Offenen Briefs“ in der Anhörung im Deutschen Bundestag vom 12. Juni 2014 der Bundesregierung bereits beigesprungen sind und der Einführung einer Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe zu einem Zeitpunkt zugestimmt haben, als längst noch nicht klar war, mit welchen Verpflichtungen und Auflagen diese Erlaubnispflicht tatsächlich einhergehen wird.

      Normalerweise kauft niemand eine Katze im Sack. Doch der Deutsche Frauenrat, die Diakonie Deutschland, die Deutsche Aidshilfe und die Dortmunder Mitternachtsmission hatten es für nötig befunden, in vorauseilendem Gehorsam und in Kenntnis, dass Sexarbeiter-Organisationen die Erlaubnispflicht ablehnen, der Bundesregierung eine Blankovollmacht zu erteilen. Das war leichtfertig und in hohem Maße unverantwortlich.

      Zwei Monate später, seit Bekanntwerden der „Eckpunkte“ eines so genannten „Prostituiertenschutzgesetzes“ vom 14. August 2014, wissen wir zumindest so viel, dass die geplante Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe umfangreiche Mitteilungs- und Dokumentationspflichten der Betreiber/innen über die in ihren Etablissements tätigen Prostituierten beinhalten soll, dass die Betreiber/innen von Prostitutionsbetrieben relevante Daten „über die im Betrieb als Prostituierte tätige Personen“ inklusive der Dauer ihrer Beschäftigung an (bislang nicht näher genannte) Behörden weiterleiten müssen.

      Was ist das anderes, als eine Betreiber gestützte Meldepflicht durch die Hintertür?

      Sowohl die eigenverantwortlich getätigte Meldung der einzelnen Sexarbeiterin an jedem Ort, an dem sie tätig ist, als auch die in die Erlaubnispflicht eingebaute, Betreiber gestützte Variante der Meldepflicht verstoßen gegen das grundgesetzlich geschützte Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das auch Sexarbeiterinnen zusteht.

      Die nun im Zuge der Einführung der Erlaubnispflicht vorgesehene behördliche Registrierung von Sexarbeiter/innen ermöglicht ein umfassendes Bewegungsprofil der Frauen als Angehörige einer nach wie vor stigmatisierten Berufsgruppe. Ihre Erfassung zielt auf ein zentrales Register aller im Prostitutionsgewerbe tätigen Frauen. Das ist keine mutwillige Unterstellung seitens Doña Carmen e.V., das ist die erklärte Absicht des – nicht nur von der Regierung hoch geschätzten – Papstes der bundesdeutschen Prostitutionsgesetzgebung, Prof. Dr. Joachim Renzikowski, der ohne Scham die „Einrichtung eines zentralen Prostitutionsregisters“ fordert. (siehe: Stellungnahme Renzikowski zur Bundestagsanhörung vom 12.6.2014, S.8)

      Sie, die Unterzeichnerinnen des „Offenen Briefs“, hätten die Gelegenheit nutzen können, gegen all diese unsäglichen Bestrebungen Ihre Stimme zu erheben. Sie haben es unterlassen. Sie haben zur konkreten Ausgestaltung der Erlaubnispflicht geschwiegen. Daraus kann man nur schließen, dass Sie diese Überwachung befürworten. Damit fallen Sie den Sexarbeiter/innen erneut in den Rücken!

      Der Deutsche Juristinnenbund war im Unterschied zu den oben genannten vier Organisationen nicht an der Bundestagsanhörung im Juni 2014 beteiligt. Er hat sich dafür in einer eigenen umfassenden Stellungnahme vom 15. 09. 2014 – also nach Veröffentlichung der „Eckpunkte“ der Bundesregierung – nicht nur für die dort vorgesehene Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe, sondern dezidiert gegen eine „individuelle Anzeige- bzw. Anmeldepflicht für Prostituierte“ ausgesprochen. So widerspricht man der einen Variante der Meldepflicht, ohne sich gegen die andere – die nicht minder missbrauchsanfällige Betreiber gestützte Variante – gestellt zu haben!

      Spätestens seit Bekanntwerden der Eckpunkte für ein „Prostituiertenschutzgesetz“ aber dürfte klar geworden sein: Wer ‚Ja‘ sagt zur Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe, sagt ‚Ja‘ zur Meldepflicht für Sexarbeiter/innen!
      Als Unterzeichnerinnen des „Offenen Briefs“ mahnen Sie eine „Versachlichung der Debatte“ an. Zur Sachlichkeit einer Debatte gehören Sachkenntnis und das Ausgehen von Tatsachen.

      Unbestritten dürfte die Tatsache sein, dass Sexarbeiter/innen nach wie vor einer „gesellschaftlichen Stigmatisierung“ unterliegen – sonst würden Sie die Prostituierten ja davor nicht schützen wollen. Tatsache ist auch, dass es in Deutschland für den gesellschaftlich stigmatisierten Berufsstand der Prostituierten eine berufsspezifische Meldepflicht zuletzt unter den Nationalsozialisten gab. Verwiesen sei hier auf den entsprechenden Runderlass des Reichsinnenministers von 1939.

      Unseres Erachtens hat die Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di anlässlich der Bundestags-Anhörung vom 12. Juni 2014 zu Recht darauf verwiesen, dass in Anbetracht der einschlägigen historischen Erfahrungen hierzulande und unter dem Vorzeichen einer nach wie vor existierenden gesellschaftlichen Stigmatisierung von [lexicon]Prostitution[/lexicon] eine wie auch immer geartete Meldepflicht für Sexarbeiter/innen nicht zu befürworten ist. Dem kann sich Doña Carmen e.V. vor dem Hintergrund einer bald 20 Jahre währenden Arbeit mit behördlich und polizeilich drangsalierten Sexarbeiter/innen vorbehaltlos anschließen.

      Ihnen, den Unterzeichner/innen des „Offenen Briefs“, fehlt aber in dieser Frage ganz offensichtlich der Mut zu einer klaren Parteinahme für die Interessen von Sexarbeiter/innen.

      Schon aus Gründen der Prävention müsste man klar und deutlich sagen: Solange [lexicon]Prostitution[/lexicon] auch nur durch einen einzigen Rechtsparagrafen diskriminiert und obendrein gesellschaftlich stigmatisiert wird, verbietet sich jede Form einer Meldepflicht für Sexarbeiter/innen – auch die indirekte, per Erlaubnispflicht exekutierte Form derselben.

      Eine solche klare und eindeutige Position vermissen wir bei Ihnen. Daher sind Ihre Anmerkungen zur geplanten Meldepflicht für Prostituierte geradezu handzahm: Sie sei „nicht erforderlich“, „nicht sinnvoll“ – so als könnten Sie sich Situationen vorstellen, in denen sie möglicherweise doch sinnvoll und erforderlich sei. Sie öffnen den Adressaten Ihres „Offenen Briefs“ sogar noch ein Hintertürchen, indem sie durchblicken lassen, dass eine Meldepflicht nur unter „extrem hohe(n) Anforderungen an den Datenschutz“ möglich wäre.

      Mit Blick auf die Stärkung der Rechte und des Schutzes von Prostituierten erklären Sie in Ihrem „Offenen Brief“ weiter, Sie „unterstützen …die in den Eckpunkten für ein Prostituiertenschutzgesetz benannten Ziele“. Wollen Sie etwa allen Ernstes behaupten, Rechte und Schutz von Sexarbeiterinnen seien das zentrale Anliegen des geplanten Gesetzes? Das sind Streicheleinheiten für Ministerin Schwesig. Über den tatsächlichen Inhalt des Gesetzes schweigen Sie sich aus.

      Bitte erklären Sie uns doch:

      Welche Rechte von Sexarbeiter/innen werden mit einem Gesetz gestärkt, das den Art. 297 EGStGB – die Grundlage der ausgrenzenden Sperrgebietspolitik – ausdrücklich festschreibt?

      Welche Rechte werden gestärkt, wenn diskriminierende Sonder-Bestimmungen zu [lexicon]Prostitution[/lexicon] im Strafrecht und anderen Rechtsmaterien weiterhin beibehalten und mitgeschleppt werden?

      Sie wenden sich in Ihrem „Offenen Brief“ gegen die unsägliche Vermengung von ‚Prostitution‘ und ‚Menschenhandel‘ und zeigen wohlfeil mit dem Finger auf andere. Aber was machen Sie selbst?

      Sie verzichten auf das Mindeste, nämlich auf die Forderung nach Streichung des Strafrechtsparagraf § 232 StGB („Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“). Dieser Sonder-Paragraf repräsentiert die Vermengung von ‚Menschenhandel‘ und ‚Prostitution‘ par excellence. Was wäre naheliegender, als die beiden Paragrafen § 232 StGB und § 233 StGB („Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft“) endlich in einem einzigen neutral formulierten Paragrafen zusammenzufassen? Jeder weiß, dass hier im Strafrecht gegenwärtig eine „künstliche Trennung“ vorliegt. (vgl. Deutsches Institut für Menschenrechte, Follmar-Otto, Rabe, 2009) Sie war und ist Ausdruck und Mittel der Stigmatisierung von [lexicon]Prostitution[/lexicon].

      Die von Ihnen als Schutz gegen Stigmatisierung gelobten „Eckpunkte“ für ein „Prostituiertenschutzgesetz“ behalten diese problematische Trennung bei. Sie, die Unterzeichnerinnen des „Offenen Briefs“, lassen das unerwähnt – und stimmen dem zu.

      Wir möchten Sie weiter fragen: Wie erklären Sie sich, dass die von Ihnen unterstützte Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe nach dem geplanten Gesetz bereits dann greifen soll, wenn sich nur zwei Frauen zum Zwecke gemeinschaftlicher Prostitutionsausübung eine Wohnung mieten? Wie erklären Sie sich, dass die Erlaubnispflicht sogar dann greifen soll, wenn sich eine einzige Frau eine Wohnung zwecks Ausübung der [lexicon]Prostitution[/lexicon] anmietet (z. B. weil sie Sexdienstleistungen in der Wohnung, in der sie und ihre Familie leben und wohnen, nicht anbieten möchte)? Ist das Schutz? Oder ist das Überwachung?

      Warum verschweigen Sie, dass die von Ihnen befürwortete Erlaubnispflicht für Prostitutionsbetriebe nicht – wie gemeinhin üblich – in, sondern „außerhalb der Gewerbeordnung“ geregelt werden soll? Was auf den ersten Blick nebensächlich scheint, hat einen ganz einfachen Grund: Nur so kommt die Polizei als Kontrollinstanz ins Spiel, anstatt die üblicherweise für das Gewerberecht „zuständigen Behörden“. Wir nennen das diskriminierendes Sonderrecht!

      Man kann in der Tat den Eindruck gewinnen, dass Sie all diese „Details“ unerwähnt lassen, weil Sie die hergebrachte polizeiliche Überwachung des Prostitutionsgewerbes und der Sexarbeiter/innen begrüßen.

      Sie wenden sich gegen die „Anhebung des Schutzalters auf 21“ mit der recht sonderbaren Begründung, dass diese Personengruppe sich dann „nicht mehr an Beratungsstellen und polizeiliche Behörden wenden“ könne und zudem „nicht …erreichbar für Ausstiegsangebote“ sei. Wer – wie hier – [lexicon]Prostitution[/lexicon] vorrangig mit „Ausstieg“ und „Polizei“ assoziiert, betreibt selbst die gesellschaftliche Stigmatisierung, die er vorgibt zu bekämpfen. So ist es nur logisch, das „Prostituiertenschutzgesetz“ der Großen Koalition für unterstützenswert zu halten, wenn man Sexarbeiter/innen in erster Linie als schutzbedürftige Berufsgruppe wahrnimmt und obendrein Schutz mit Kontrolle gleichsetzt bzw. verwechselt.

      Wir sind nicht gegen Schutzbestimmungen in der Sexarbeit. Ganz im Gegenteil. Doch unter Bedingungen der nach wie vor bestehenden rechtlichen Diskriminierung und Ausgrenzung ist nicht der vielbeschworene Schutz, sondern in erster Linie die rechtliche Gleichstellung von Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigkeiten maßgeblich. Rechte sind allemal der beste Schutz. Wir wollen Gleichbehandlung, nicht Sonderbehandlung! Es ist bedauerlich, dass dieser elementare Maßstab für Sie als Unterzeichnerinnen des „Offenen Briefs“ nicht handlungsleitend ist. Es ist bedauerlich, dass ein aufs andere Mal ‚Rechte‘ und ‚Schutz‘ gegeneinander ausgespielt werden – auf Kosten der betroffenen Sexarbeiter/innen.

      Die festgestellte Übereinstimmung in den eingangs benannten drei Punkten Ihres „Offenen Briefs“ erweist sich bei Licht betrachtet als oberflächlich und wenig tragfähig. Aus Ihrem „Offenen Brief“ spricht bedauerlicherweise eine distanzlose Nähe zum sozialdemokratischen Teil des Berliner Politikbetriebs – zum Schaden der Sexarbeiter/innen.

      Eine „aufrichtige Debatte“ haben Sie angemahnt. Aber Sie haben diesen Anspruch durch Ihre selektive Bezugnahme auf die „Eckpunkte“ der Bundesregierung und durch das konsequente Verschweigen der repressiven Dimension des von der Regierung geplanten Anti-Prostitutions-Gesetzes selbst ad absurdum geführt.

      Die taz bezeichnet Ihren „Offenen Brief“ als „den großen Aufschlag“. Nein, das war er wirklich nicht. Er war vielmehr ein Schlag ins Wasser. Wenn Sie schon zum Wesentlichen der geplanten Prostituierten-Reglementierung schweigen, wäre es dann nicht besser gewesen, Sie hätten ganz geschwiegen?


      donacarmen.de/?p=546
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    • Gründerszene.de>Wirtschaft>Mobile>Gründerteam um Pia Poppenreiter steigt bei Sex-Vermittlung Peppr aus

      Gründerszene.de>Wirtschaft>Mobile>Gründerteam um Pia Poppenreiter steigt bei Sex-Vermittlung Peppr aus
      Wegen Uneinigkeiten Gründerteam um Pia Poppenreiter steigt bei Sex-Vermittlung Peppr aus


      Exklusiv – Monatelang war die Berliner Prostituierten-Plattform Peppr in aller Munde. Nun steigen die beiden Gründer aus, sie wollen ihr Startup verkaufen.

      „Wir bekamen massiven Druck von außen“

      „Nein, ich finde es nicht moralisch bedenklich“, sagte Pia Poppenreiter, als sie im vergangenen April im Gründerszene-Interview erstmals ihre App Peppr vorstellte. Noch etwas unsicher erzählte die damals 26-jährige Österreicherin von ihrer App, die diskret und auf Knopfdruck Prostituierte vermittelt. Die Idee brachte ihr viel Aufmerksamkeit – die Geschichte einer jungen Frau, die ein Startup ausgerechnet im Sex-Tech-Bereich gründet, Prostituierte fairer behandeln will und dafür nächtelang in Bordellen oder auf dem [lexicon]Strich[/lexicon] recherchierte, interessierte viele. Nur einen Tag nach dem Interview stand die Bild-Zeitung mit einem Kamera-Team vor ihrem Büro, erzählt sie. Sogar der Economist berichtete über das Berliner Startup.

      Pia Poppenreiter und ihr Mitgründer Florian Hackenberger fühlten sich geehrt, weil ihre Idee so viele faszinierte. Poppenreiter präsentierte das Unternehmen auf Events, sie bekam Einladungen zu vielen Tech-Konferenzen, sogar die CDU lud sie für eine Expertenanhörung in den Bundestag ein, es ging um die Reform des Prostitutionsgesetz.

      Rückblickend war das Gründerteam mit dem Medienrummel aber auch überfordert: „Wir bekamen massiven Druck von außen, weil die Aufmerksamkeit der Presse so groß war“, erzählt Poppenreiter im Gespräch mit Gründerszene. „Wir wollten natürlich wachsen, aber die Suche nach passenden Investoren, die unsere Vision unterstützen, war schwieriger als gedacht.“
      Fünf Monate nach dem Start, im September, wollten die beiden Gründer ihre App weiterentwickeln, aber die Vorstellungen darüber gingen auseinander: „Es gab zwischen uns massive Differenzen darüber, in welche Richtung die App gehen soll“, sagt Poppenreiter. Auch die geplante Finanzierungsrunde wurde daraufhin abgeblasen.

      Mitgründer Florian Hackenberger sitzt im Gespräch neben ihr, die beiden wirken alles andere als zerstritten. Und dennoch wollen sie ihr Startup nicht fortführen. Warum? „Wir konnten uns nicht einigen, zu welchen Konditionen der andere rausgehen soll.“

      Deswegen wollen Poppenreiter und Hackenberger nun einen Käufer für ihre App finden. „Wir wollen, dass jemand das Konzept übernimmt, der unseren ethischen Ansatz unterstützt“, sagt Hackenberger. „Wir glauben beide, dass das Produkt einen Platz am Markt hat“. Die ersten Gespräche seien bereits gelaufen, Namen möchte beide allerdings nicht nennen.

      Die Gründer sind optimistisch, dass sich bald ein geeigneter Käufer finden wird. „Wir haben so viele positive Reaktionen und Presseberichte bekommen – das hat vor uns niemand in dieser kurzen Zeit geschafft“, sagt Poppenreiter.

      Aber hat Peppr nicht vor allem dank Pia Poppenreiter so viel Aufmerksamkeit bekommen? Schließlich war sie bislang so etwas wie die Botschafterin der Idee. „Klar, habe ich als Gründerin eine Rolle gespielt. Ich heiße Pia Poppenreiter, habe schwerpunktmäßig Wirtschaftsethik studiert, um dann ein Sex-Tech-Unternehmen zu gründen. Die Leute interessieren sich für meine Meinung zum Thema Sexarbeit, selbst meine Freundinnen wollten phasenweise mit mir nur noch über Peppr sprechen. Aber ich denke, dass Peppr auch ohne mich erfolgreich sein kann.“

      Seit eigenen Wochen arbeiten die beiden Gründer schon an neuen Projekten: Hackenberger sucht aktuell nach Lizenznehmern im Ausland und bastelt an Postfreunde, einer App, die Paket-Empfänger mit ihren Nachbarn zusammenführt.

      Und auch Pia Poppenreiter zieht gerade ein neues Startup hoch: „Es geht wieder um [lexicon]Sex[/lexicon]. Mehr kann ich noch nicht verraten.“

      gruenderszene.de/allgemein/peppr-pia-poppenreiter-ausstieg
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    • Sex-Kauf-Verbot ohne Wirkung



      Sex-Kauf-Verbot ohne Wirkung





      In Schweden kritisiert der Verband für Sexualaufklärung das
      Sex-Kauf-Verbot. Es schütze die Prostituierten nicht, sondern zwinge sie
      in den Untergrund.





      Schweden hat vor 15 Jahren als weltweit erstes Land ein Sex-Kauf-Verbot
      eingeführt. Freier müssen seither mit einer Strafe rechnen, die
      Prostituierten bleiben straffrei. Das Gesetz ist seit seinem
      Inkrafttreten umstritten. Kristina Ljungros, Vorsitzende des
      schwedischen Verbandes für Sexualaufklärung, nannte im «Sveriges Radio»
      drei Kritikpunkte:





      -Es gebe keine statischen Beweise dafür, dass die Zahl der Freier gesunken ist.





      -Das Gesetz zwinge Prostituierte, im Geheimen zu agieren.





      -Das Verbot stigmatisiere die Prostituierten noch mehr. Deshalb trauten sich weniger, Hilfe zu suchen.





      Negativeres Bild von Prostituierten





      Kristina Ljungros stützt ihre Aussagen auf eine Studie der Hochschule
      Malmö, die der Verband für Sexualaufklärung in Auftrag gegeben hatte.
      Danach sind heute mehr als die Hälfte aller Schwedinnen und Schweden
      dafür, nicht nur die Freier, sondern auch die Prostituierten zu
      kriminalisieren. Vor Einführung des Gesetzes im Jahr 1999 wollte das nur
      ein Drittel. Kristina Ljungros: «Ein Ziel des Gesetzes war es, eine
      negative öffentliche Meinung gegenüber den Freiern zu schaffen. Das ist
      gelungen. Gleichzeitig ist aber die Haltung gegenüber den Prostituierten
      wesentlich negativer geworden und das wollen wir absolut nicht.»





      Keine statistischen Beweise





      Das Gesetz habe vermutlich auch das Ziel verfehlt, die Zahl der Freier
      zu reduzieren, sagt Ljungros. Die Regierung behaupte dies zwar, doch
      gebe es dafür keine statistischen Beweise. Seit das Gesetz in Kraft
      getreten sei, mache sich ein Freier ja strafbar, wenn er zugebe, für
      sexuelle Dienstleistungen bezahlt zu haben. Kristina Ljungros fordert
      den Gesetzgeber auf, das Gesetz zu revidieren, damit es seinen Zweck
      tatsächlich erfüllen kann.





      Kauf-Verbot allein genügt nicht





      Ein Sex-Kauf-Verbot allein genüge nicht, sagt Studienleiterin Charlotta
      Homström. Bei der Verabschiedung des Gesetzes sei geplant gewesen,
      Unterstützungsangebote für Prostituierte und Ausstiegsprojekte zu
      fördern. Dieses Versprechen habe die Regierung nur ungenügend erfüllt.
      Das Gesetz habe deshalb zu anderen Resultaten geführt als ursprünglich
      geplant. Statt die Prostituierten besser zu schützen, habe das Gesetz
      sie grösseren Risiken ausgesetzt, weil sie ihre Dienste im Geheimen
      verkaufen müssen.





      Unterschiedliche Regelungen





      Nach schwedischem Vorbild haben auch Norwegen, Island und Kanada den
      Kauf sexueller Dienstleistungen verboten. Finnland bestraft Freier, die
      unfreiwillige Dienste von Zwangsprostituierten in Anspruch nehmen. Die
      Schweiz und Österreich gehören zu einer Gruppe von Ländern, welche die
      [lexicon]Prostitution[/lexicon] tolerieren, sie aber rechtlich nicht als Erwerbsarbeit
      anerkennen. In Deutschland und den Niederlanden ist [lexicon]Prostitution[/lexicon] eine
      legale Erwerbsarbeit. In Deutschland hat das geplante
      Prostitutionsgesetz eine Kontroverse in der Frauenbewegung ausgelöst.





      http://www.frauensicht.ch/Artikel/K....-Kauf-Verbot-ohne-Wirkung
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    • Fuldas Freier profitieren von EU-Südosterweiterung

      25.2.2015





      Fuldas Freier profitieren von EU-Südosterweiterung





      FULDA -Prostitution ist in Fulda -2 wenn auch versteckt - weit
      verbreitet. Allein in der Leipziger Straße gibt es aktuell sechs
      Bordelle, in der Frankfurter Straße sind es drei. Die Frauen stammen in
      der Regel aus Rumänien und Bulgarien, erklärt Elvira Niesner von FIM -
      Frauenrecht ist Menschenrecht e.V. Die Frauen treibt die Armut in Fuldas
      Bordelle.





      Wer in Fulda zu [lexicon]Prostitution[/lexicon] recherchiert, hat es nicht leicht. Die
      Polizei verweist auf die Stadt, die Stadt auf das Gesundheitsamt und das
      Gesundheitsamt wieder auf die Polizei. Es ist schwer zu sagen, wie
      viele Prostituierte in Fulda arbeiten, erklärt Martin Schäfer,
      Pressesprecher der Polizei. Sie inserieren oftmals privat, arbeiten in
      Wohnungsbordellen und bleiben nur wenige Wochen in Fulda, bis sie in
      eine andere Stadt gehen.





      Woher die Frauen stammen ist klar: Seit der zweiten EU-Osterweiterung
      kommt die große Mehrheit der Frauen aus Bulgarien und Rumänien, sagt
      Elvira Niesner. "Armut ist der entscheidende Faktor, warum die Frauen in
      der [lexicon]Prostitution[/lexicon] arbeiten. Ihr Verein „Frauenrecht ist Menschenrecht"
      (FIM) kümmert sich um die Opfer der Armutsprostitution in Hessen. "Die
      Frauen wenden sich in erster Linie an uns wegen gesundheitlicher
      Probleme", erklärt sie. "Manche Frauen wollen aussteigen, haben keine
      Unterkunft, suchen eine andere Arbeit. Manche haben Gewalt erfahren
      durch Kunden oder Zuhälter."





      Fuldaer Polizei hat [lexicon]Prostitution[/lexicon] im Blick





      Die Fuldaer Polizei kontrolliert regelmäßig die Prostitutionsstätten,
      teilt Pressesprecher Schäfer mit. Gewalt gegen Frauen sei in jüngster
      Vergangenheit nicht festgestellt worden, was allerdings nicht heißt,
      dass es diese nicht gibt.





      Um Frauen in Not zu helfen, hat die Schutzambulanz Fulda eigens eine
      Prostituiertenanlaufstelle ins Leben gerufen. Die Mitarbeiter
      hinterlassen Kärtchen mit ihren Kontaktdaten bei den Frauen. Bei den
      Prostituierten ständen vor allem Passprobleme im Vordergrund, erläutert
      die Leiterin. Opfer von Gewalt werden an FIM in Frankfurt
      weitergeleitet.





      "Zehn Kunden am Tag sind nicht ungewöhnlich"





      Manche der Frauen rutschen schon als Minderjährige ins Gewerbe ab, sagt
      die Leiterin von FIM, Elvira Niesner. Sie hätten oft keinen
      Schulabschluss, keine Ausbildung und keine Arbeit. "In ihrem Leben haben
      sie nicht selten schon als Kind oder Jugendliche (sexuelle) Gewalt
      erfahren."





      Ihre Lebensumstände machen die Frauen zu leichten Opfern. Die Armut und
      Unerfahrenheit der Frauen wird schamlos ausgenutzt, sagt die Leiterin
      von FIM. "Von der Armutsprostitution profitieren die Freier, die
      umfangreiche Leistungen für wenig Geld einfordern und (neue)
      menschenrechtlich inakzeptable Formen beim käuflichen [lexicon]Sex[/lexicon] durchsetzen;
      wie zum Beispiel "Gang Bang"-Partys oder "Flatrate"-Angebote." Die Armut
      mache es außerdem den Zuhältern einfach, die Frauen abhängig zu machen,
      zur [lexicon]Prostitution[/lexicon] zu zwingen und auszubeuten.





      Die Arbeitsbedingungen seien oftmals unmenschlich, erklärt Niesner.
      "Zehn Kunden am Tag sind nicht ungewöhnlich." Die Frauen müssten immer
      verfügbar sein.
      http://www.fuldaerzeitung.de/artike....-von-eu-sudosterweiterung
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      "Leide mit einem Lächeln"
    • Hundsmäßig druff

      Hundsmäßig druff





      DROGEN Partygänger, Sportler und Prostituierte
      haben einen neuen Weg gefunden, um Körper und Geist zu dopen: den
      Konsum von Tiermedikamenten. Ketamin ist das bekannteste Beispiel, doch
      bei Weitem nicht das einzige





      VON HELMUT HÖGE





      Als sich der Club Kaffee Burger in Berlin-Mitte vor zwei Jahren neue
      Sessel anschaffte, fand man in der Polsterung der alten etliche Tütchen
      mit Ketaminkristallen - zum Schnupfen. Vermutlich hatten Drogendealer
      sie dort deponiert und versäumt, sie wieder abzuholen.





      Der in der Tiermedizin unter anderem für die Narkose von Pferden
      eingesetzte Stoff gilt seit einigen Jahren schon als beliebte Partydroge
      und ist verwandt mit Phencyclidin (auch "Angle Dust" genannt) und mit
      dem Opioid Pethidin. Laut dem Informationsportal drogen-info-berlin ist
      "die Erzeugung einer dissoziativen Anästhesie" charakteristisch für die
      Wirkung von Ketamin: "Darunter wird die Erzeugung von Schlaf- und
      Schmerzfreiheit unter weitgehender Erhaltung der Reflextätigkeit,
      insbesondere der Schutzreflexe, verstanden." Man kann also nächtelang
      feiern und tanzen, ohne dass Kopf und Körper müde werden. Zudem wird der
      Stoff derzeit als Antidepressivum getestet und scheint an der Berliner
      Charité vor allem bei bisher als therapieresistent geltenden Patienten
      eine positive Wirkung zu haben.





      Kastrierte Hündinnen





      Ketamin, das pro Gramm zwischen 10 und 50 Euro kostet, ist das
      vielleicht bekannteste, aber bei Weitem nicht einzige Tiermedikament,
      das bei Drogenkonsumenten Anklang findet. Ein anderes Beispiel ist etwa
      Caniphedrin, das zur Behandlung der Harninkontinenz bei Hündinnen nach
      der [lexicon]Kastration[/lexicon] zugelassen ist. Es enthält L-Ephedrinhydrochlorid, das
      zusammen mit weiteren Alkaloiden in Pflanzen der Gattung Ephedra
      vorkommt.





      In der chinesischen Medizin wird es seit über 5.000 Jahren als
      Kreislaufstimulans, Fieber- und Hustenmittel verwendet. In
      Tierexperimenten bewirkte die Reinsubstanz Ephedrin
      Bronchienerweiterung, Entspannung des Darms, Pupillenerweiterung,
      Stimulation des zentralen Nervensystems und eine Senkung des
      Urinvolumens, weshalb es sich besonders für die Behandlung frisch
      kastrierter Hündinnen eignet. Menschen dagegen bevorzugen das auf dem
      Schwarzmarkt in Form von Tabletten erhältliche Caniphedrin zum
      Muskelaufbau im Bodybuilding und als Dopingmittel im Sport.





      Eine weitere Partydroge, die sich derzeit
      vor allem im Berliner Nachtleben großer Beliebtheit erfreut, ist GHB
      (Gamma-Hydroxybuttersäure).
      Die in der Veterinärmedizin unter dem
      Namen Somsanit als Basisanästhetikum verwendete Substanz wurde 1960 als
      verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. Seither findet GHB
      Anwendung als Entzugsmittel bei Alkoholkrankheit, aber auch - ähnlich
      wie Ketamin - als Antidepressivum. Bei niedriger Dosierung nämlich wirkt
      GHB entspannend bis angstlösend. Mittlere
      Dosen hingegen können sexuell anregend bis absolut enthemmend wirken
      sowie Gedächtnisstörungen auslösen, weshalb der Stoff auch hinlänglich
      als sogenannte Rape Drug bekannt ist, also Frauen und Männern oft
      unbemerkt ins Getränk gemischt wird, um sie bewusst- und wehrlos zu
      machen.






      Für sexuelle Zwecke hält auch das
      Rindermastmittel Oradexon her, das zu den Corticosteroiden zählt und
      einem synthetisch nachgebildeten Steroidhormon gleicht. In Indien wird
      diese Droge von Bordellbetreibern und Zuhältern "ihren" (oft noch
      minderjährigen) Prostituierten verabreicht, damit ihre Brüste wachsen
      und sie generell üppiger werden - so wie es den Männern dort gefällt.

      Oradexon wirkt schnell, verursacht aber auch Bluthochdruck,
      [lexicon]Kopfschmerzen[/lexicon], Hautausschlag, sogar Diabetes - und macht extrem süchtig,
      wie diverse Experten warnen.





      Meth für die Fische





      Was aber passiert, wenn man es mal umkehrt und Tieren Drogen
      verabreicht, die eigentlich für den Konsum durch Menschen gedacht waren?
      Ein Bekannter erzählte mal von einem Typen namens Bernd, der zu Hause
      ein Aquarium besaß, mit großen und kleinen Fischen. Die kleinen, obwohl
      in der Überzahl, hatten unter den großen gelegentlich zu leiden.





      Vor einiger Zeit nahm er einmal Crystal Meth (das übrigens ebenso wie
      Ephedrin zu Substanzklasse "Amphetamine" gehört), einige der übrig
      gebliebenen Kristalle warf er zu den Fischen ins Wasser. Daraufhin
      verkrochen sich die großen Fische hinter Steinen und Pflanzen, während
      sich die kleinen zunächst unter der Wasseroberfläche sammelten. Dann
      schwammen sie plötzlich zu den großen und attackierten sie - so lange,
      bis diese tot waren.





      Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, es war schon mal ein besseres.





      taz, 26.2.15


      http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/....397878df4d6d3c6cfce4cdb87
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    • Hotline hilft bei Kampf gegen Zwangsprostitution

      27.2.2015





      Hotline hilft bei Kampf gegen Zwangsprostitution





      Innenminister Roger Lewentz hat das Landeskriminalamt (LKA) mit der
      Einrichtung einer anonymen Hotline gegen Zwangsprostitution beauftragt.
      "Die Perspektivlosigkeit vieler Frauen aus armen Ländern macht es
      Menschenhändlern leicht, sie mit falschen Versprechungen nach
      Deutschland zu locken und sie zur [lexicon]Prostitution[/lexicon] zu zwingen. Das
      Landeskriminalamt will diesen Betroffenen helfen aber auch Hinweise für
      die Ermittlungen gegen Menschenhändler sammeln", sagte Lewentz am
      Freitag in Mainz. Darum werde die Hotline ab Sonntag, 1. März,
      freigeschaltet.





      Der Präsident des Landeskriminalamtes, Johannes Kunz, betonte, dass die
      Zahl der Prostituierten in Rheinland-Pfalz nur geschätzt werden könne.
      Demnach würden etwa 20.000 überwiegend weibliche Personen der
      [lexicon]Prostitution[/lexicon] nachgehen. "Um die hochkriminellen Händler und Zuhälter zu
      bekämpfen, ist die Polizei auf Mithilfe angewiesen", sagte Kunz. Daher
      sei es wichtig, möglichst viele Informationen auch anonym zu sammeln und
      auszuwerten. Denn: "Den Frauen fehlt oft der Mut, offiziell bei der
      Polizei gegen die Täter auszusagen. Dadurch gestaltet sich die
      Strafverfolgung bei Menschenhandel sehr schwierig."





      Minister Lewentz unterstrich: "Viele Frauen werden bei der Anwerbung in
      ihren Heimatländern darüber getäuscht, dass sie in Deutschland als
      Prostituierte arbeiten sollen. Sie müssen oft mehr als die Hälfte ihrer
      Einnahmen an die Zuhälter abgeben und werden häufig massiv bedroht und
      unter Druck gesetzt. Dagegen wollen wir entschieden vorgehen." Das LKA
      nimmt Hinweise unter die Hotline 0800/72 42 318 entgegen.





      http://www.cop2cop.de/2015/02/27/ho....gegen-zwangsprostitution/
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    • Prostitution ist nicht kompatibel mit Anarchismus

      Die Störenfriedas - Blog für Feminismus, Sozialkritik und Antifaschismus





      27.02.2015





      [lexicon]Prostitution[/lexicon] ist nicht kompatibel mit Anarchismus


      von Gastbeitrag








      Das Konzept der „freien Wahl“ von Frauen, [lexicon]Sex[/lexicon] zu verkaufen, steht im
      gedanklichen Zusammenhang zu neoliberalem Denken und der Vorstellung des
      “freien Marktes”; es gehört zu der gleichen Denkschule, die die Meinung
      vertritt, dass ArbeitnehmerInnen eine „Wahlfreiheit“ und die Kontrolle
      über ihre Arbeit haben. Es wird angenommen, dass Frauen sich dazu
      entscheiden, [lexicon]Sex[/lexicon] zu verkaufen und wir uns deshalb in Bezug auf die
      „Sexarbeiterinnen“ um Sicherheit, die Möglichkeit, Geld zu verdienen und
      die Verfolgung durch den Staat kümmern zu kümmern haben. Während die
      Sicherheit von Frauen und Frauenrechte von höchster Bedeutung sind, ist
      die Forderung nach staatlich regulierten Bordellen und Gewerkschaften im
      besten Falle reformistisch, naiv und rückschrittlich. Selbst der
      Vorschlag nach „Kollektivbordellen“ ignoriert die geschlechtsspezifische
      Natur der [lexicon]Prostitution[/lexicon] und ihre Funktion, männliche Herrschaft zu
      stärken.





      Eine anarchistische Antwort sollte die Ausrottung aller ausbeuterischen
      Praktiken fordern und nicht suggerieren, man könnte sie „sicherer“ oder
      „besser“ machen.


      Anarchistische Perspektiven





      Anarchismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet „frei von
      Herrschaft“. Er gründet auf der unveräußerlichen Menschenwürde, dem
      Verlangen nach individueller Freiheit und der Intoleranz gegenüber
      Herrschaft (Woodcock). Er fordert radikalen und revolutionären sozialen
      Wandel, nicht Reformismus. Untermauerende Vorstellungen beinhalten:





      die Ablehnung jeglicher Herrschaft und aller Hierarchien, inklusive Geschlechterhierarchien (Goldman)


      kein Staatsapparat wird benötigt (Kropotkin)


      soziale Gerechtigkeit ist Teil unserer menschlichen Natur (Godwin)


      sozialer Wandel wird durch kollektive Aktion herbeigeführt (Bakunin)


      jene in Machtpositionen werden diese für das gemeinsame Wohl aufgeben (Godwin)


      Nachbarschaftshilfe und Gegenseitigkeit resultieren aus einem Austausch zwischen Gleichen (Proudhon)


      Menschen können souveräne Individuen sein, die frei in
      Zusammenschlüssen beteiligt sind (das bedeutet ohne Bezahlung)
      (Kropotkin)


      die Emanzipation der Frauen wird von ihnen selbst herbeigeführt:
      „Zunächst, in dem sie sich selbst durch eine Persönlichkeit Geltung
      verschaffen, nicht als ein Sexobjekt. Zum Zweiten, in dem sie jedem das
      Recht an ihrem Körper verweigern.“ (Goldman)





      Fragen aus anarchistischer Perspektive





      Die Frage: Warum glauben Männer, das Recht zu haben, [lexicon]Sex[/lexicon] zu kaufen?





      Analyse





      Gender basiert auf Machthierarchien, und [lexicon]Prostitution[/lexicon] ist die
      Manifestation dieser Machtungleichheit. Die hauptsächlichen Sexkäufer
      (von Frauen und Männern) sind Männer. Der Anspruch von Männern, [lexicon]Sex[/lexicon] zu
      kaufen resultiert aus ihrer privilegierten hierarchischen Position und
      der untergeordneten Position der Frauen. Frauen aus ärmeren
      sozio-ökonomischen Verhältnissen sind in der Sexindustrie
      überrepräsentiert.


      Lösung





      Männer sollten aufgefordert werden, ihre hierarchische Macht abzugeben und nicht darin unterstützt werden, sie zu erhalten.





      Die Frage: Warum zahlen Männer für Sex?





      Analyse





      [lexicon]Prostitution[/lexicon] ist „eine finanzielle Transaktion für Sex“. [lexicon]Sex[/lexicon] ist frei
      verfügbar, sogar im aktuellen kapitalistischen System! Konsensualer [lexicon]Sex[/lexicon]
      kann zwischen allen Erwachsenen jederzeit ohne finanziellen Austausch
      ausgeübt werden. Deshalb dient der Zahlungsvorgang für [lexicon]Sex[/lexicon] einem anderen
      Zweck: Er ermöglicht Männern, Macht und Kontrolle über jene Person
      auszuüben, die er gekauft hat. Die Geltendmachung von Macht und
      Kontrolle durch den Mann und die Beherrschung der Frau sind Bestandteil
      der Bezahlung. Es geht nicht um [lexicon]Sex[/lexicon].


      Lösung





      Männer, die [lexicon]Sex[/lexicon] kaufen, sollten für ihren Missbrauch von Macht und Kontrolle gegenüber Frauen zur Rechenschaft gezogen werden





      Die Frage: Sind „Sexarbeitsgewerkschaften“ oder „Sexarbeitskollektive“ die Antwort?





      Analyse





      Die absolute Mehrheit der Frauen verkauft [lexicon]Sex[/lexicon] in erster Linie aus Mangel
      an Alternativen. 90% der Frauen in der [lexicon]Prostitution[/lexicon] wollen aussteigen,
      aber ihnen fehlen die Möglichkeiten dazu (Farley). Wenn Menschen
      ausgebeutet werden, dann unterstützen wir sie und nicht die
      AusbeuterInnen. Gewerkschaften sind notwendig für die grundsätzliche
      Produktion: [lexicon]Sex[/lexicon] ist keine Ware – sondern frei verfügbar für jede/n.
      Gewerkschaften oder Kollektive von Menschen, die [lexicon]Sex[/lexicon] an Männer
      verkaufen, ignorieren die Tatsache, dass der Sexkauf problematisch ist
      innerhalb der anarchistischen Analyse. Machtungleichheiten und
      Ungleichheiten zu normalisieren, macht diese weder kleiner, noch bringt
      es sie zum verschwinden; sie werden stattdessen verstärkt.


      Lösung





      Menschen sollten gerechte Möglichkeiten haben, wie sie ihr Leben leben
      können. Die Mehrheit der Frauen in der [lexicon]Prostitution[/lexicon] haben keine Auswahl
      zwischen gerechten Wahlmöglichkeiten. Männer, die [lexicon]Sex[/lexicon] kaufen, haben
      hingegen die Wahl. AnarchistInnen sollten den Status Quo von
      Geschlechterhierarchien in Frage stellen, indem sie das Recht des
      Mannes, [lexicon]Sex[/lexicon] zu kaufen, in Frage stellen und nicht Wege unterstützen, die
      es Männern leichter (!) machen, ihre Macht und Kontrolle über Frauen
      auszuüben und sich selbst damit von der menschlichen Natur zu
      entfremden.


      Andere radikale Ideen





      Wenn Frauen limitierte Wahlmöglichkeiten haben, dann tun Männer
      ihnen keinen Gefallen damit, Geld für [lexicon]Sex[/lexicon] anzubieten: Schenkt ihnen euer
      Geld doch einfach (ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen)


      Menschen, die denken, dass [lexicon]Prostitution[/lexicon] ein Service ist für einsame
      Männer, sollten diesen Männern einfach selbst [lexicon]Sex[/lexicon] ohne Geld anbieten


      Menschen, die denken, dass [lexicon]Prostitution[/lexicon] das Gleiche ist wie jede
      andere Handarbeit, nur besser bezahlt, sollten versuchen ihren
      Lebensunterhalt auf der Romford Road zu bestreiten (Die Mehrheit der
      Frauen arbeitet nicht als „gutbezahlter Escort“) (Romford Road =
      Straßenstrich in London)


      Jene, die den [lexicon]Sex[/lexicon] gegen Geld fetischisieren (!), sind keine
      AnarchistInnen … oder in sonst einer Art und Weise radikal, sondern sie
      unterstützen die Entfremdung der menschlichen Wesen (sic!) voneinander





      Ein Nachtrag zum Feminismus





      Der Feminismus brachte die Ansicht ins Bewusstsein, dass „das Private
      politisch ist“. Die Voraussetzung einer feministischen Analyse,
      zwischenmenschliche Interaktionen danach zu untersuchen, ob sie
      Geschlechterungleichheit befördern oder in Frage stellen, resultiert im
      gleichen Ergebnis: Wenn Männer [lexicon]Sex[/lexicon] kaufen, machen sie sich an der
      Unterordnung der Frauen als eine Gruppe mitschuldig.





      Dieser Beitrag erschien 2001 auf dem englischen Blog Rancom





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      "Leide mit einem Lächeln"
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